Mittwoch, 17 August 2011 08:52

Sensible Soccer - European Champions

Written by Spaghetti

bewertungskasten_sensiblesoccerEC_ohne_sternSpaghettiSensible_Soccer_EC.001png_thumb1993 erschien für das SNES ein Fussballgame, welches aufgrund seiner unzähligen Spiel- und Einstellungsmöglichkeiten bereits auf diversen Heimcomputern zum komplexesten Sportspiel seiner Zeit avanciert war. Einst gab der Hersteller (Sensible Software) folgendes Statement über Sensible Soccer ab: „[...] Diese verschiedenen Spielmöglichkeiten sollen gute Unterhaltung bieten, denn wir meinen, dass Sensible Soccer die momentan realistischste und spielbarste Fussballsimulation überhaupt ist.“ Ob dies wirklich stimmt, will das folgende Review klären.

Bevor das eigentliche Spiel beginnt, muss sich der Spieler zunächst durch unzählige Optionsmöglichkeiten und Spielvarianten klicken. Insgesamt gibt es vier verschiedene Menükategorien: Nationalteams, Clubteams, eigene Teams und Optionen. Bei der letzten Kategorie kann man den Batterie-Speicher zurücksetzen, die Spieldauer, die Menü- und Spielmusik, das Saisonwetter, den Schwierigkeitsgrad (Anfänger, Normal oder Experte) und löblicherweise die Sprache (Englisch, Deutsch, Französisch oder Italienisch) einstellen.

Sensible_Soccer_EC.003png_thumbWählt der zukünftige „Fussball-Gott“ die Kategorie Nationalteams an, so stehen ihm neben dem unerlässlichen Freundschaftsspiel, Pokalwettbewerb und Ligamodus folgende Spezialwettbewerbe zur Auswahl: Welt-Cup-Qualifikation (d.h., wirklich bloß Qualifikation), Maastricht-Cup (32 Teams, jeweils fünf Runden zu spielen, bei Unentschieden wird die Partie verlängert), Nationenliga (16 Teams, jeder gegen jeden) und Europa-Meisterschaft (acht Teams in zwei Unterligen). Nach der Auswahl des gewünschten Modus wählt man seine Mannschaft aus. Es stehen insgesamt 34 europäische Nationalteams zur Auswahl. Die Spieler haben allesamt Fantasienamen, die jedoch realen Vorbildern ähneln. Entscheidet sich der Spieler für die Kategorie Clubteams, stehen ihm die gleichen Modi zur Auswahl. Diese Kategorie enthält aber andere Spezialwettbewerbe wie EUFA-Cup (UEFA-Cup; die lieben Lizenzen...), Euro-Superliga (20 Mannschaften, jeder zweimal gegen jeden) und Euro-Cup (32 Mannschaften mit Hin- und Rückspiel nach Cup-System). Es gibt 64 europäische Spitzenclubs, wieder ohne echte Spielernamen, aber lieber Spielbarkeit hui und Lizenzen pfui als umgekehrt.

Sensible_Soccer_EC.058png_thumbBei dem Spielmodus Eigene Teams gibt es schließlich noch exotischere Spezialwettbewerbe wie die Trostliga (Liga mit acht Teams, jeder spielt einmal gegen jeden), das  Versagerturnier (16 Teams mit jeweils Hin- und Rückspiel nach Cup-System), den Ei-Cup (64 Mannschaften ohne Rückspiel) und die Hühner-Liga mit zwei Mannschaften, die fünfmal aufeinander treffen. Bei allen Spezialwettbewerben können unbegrenzt viele „menschliche“ Spieler mitmachen, aber wie oben schon erwähnt maximal ein Spieler gegen einen anderen gleichzeitig. Wie der Name schon sagt, hat es hier keine vordefinierten Teams, sondern es ist die Aufgabe des zukünftigen „Sensible-Maradonas“ die Teams und Spieler selbst zu erstellen und zu benennen. Diese kann man dank der Speicherbatterie sogar absichern, was auch für den Spielfortschritt aller anderen Modi gilt. Also keine lästigen Passwörter wie bei der ISS-Reihe. Soviel also zu den Voreinstellungen. Dass Sensible Soccer - European Champions (in den USA besser als Championship Soccer '94 bekannt) über die umfassendsten Optionsmöglichkeiten aller SNES Fussballspiele verfügt, ist nun klar. Aber genügt das um von einer Simulation sprechen zu können?

Sensible_Soccer_EC.005png_thumbWir werden sehen. Nun aber fertig mit den Einstellungen - wir wollen endlich spielen. Bevor das eigentliche Spiel beginnt, muss man sich jedoch wieder entscheiden, und zwar für die Aufstellung (welche Formationen und wer spielt) sowie die Taktik. Aber dann geht es endlich los! Nicht erschrecken über die Spielgrafik, denn Sensible Soccer benutzt wie die Kick Off-Reihe die Vogelperspektive, d.h. die Spieler sind alles kleine Männchen, die von unten nach oben respektive umgekehrt Fussball spielen. Die Steuerung ist denkbar einfach: Egal, ob man A, B, Y oder X drückt, während der Spieler nicht im Ballbesitz ist, führt das „Männlein“ einen Kopfball oder Gleittacklings aus. Gepasst wird mit B, gekickt mit A und Heber sowie Effetbälle gehen mit der Taste Y leicht von der Hand. Schiessen kann man mit der Taste X, je nachdem in welche Richtung man das Steuerkreuz drückt, gibt es Schüsse mit Links- oder Rechtseffekten, Flankenbällen etc. Die Steuerung ist für viele vielleicht ein wenig ungewohnt, aber sehr leicht erlernbar und unkompliziert. Allerdings fand ich die Steuerung auf dem Sega Mega CD einen Tick genauer als in der hier getesteten SNES-Version.

Sensible_Soccer_EC.089png_thumbNatürlich fehlt auch der übliche Fussball-Schnickschnack nicht: so gibt es natürlich gelbe und rote Karten und auch Auswechslungen dürfen vorgenommen werden. Sobald der (nicht von der Grafik abgeschreckte) Spieler ein Tor schiesst, erscheint ein Fenster mit einer Jubelpose des Torschützen und ein kurzes Replay wird eingeblendet. Sensible Soccer unterscheidet sich aber vor allem in einem Punkt (okay, in zwei Punkten, wenn man die schlechte Grafik mitzählt) von der Konkurrenz: Bei der Spielgeschwindigkeit. Diese ist nämlich wie für die Sensible Soccer-Reihe üblich sehr schnell und dies macht gerade den Reiz dieser Fussball-Reihe aus: Nonstop-Action! Schon bald gehen die Pässe und Schüsse locker von der Hand und das Ganze wird eine Riesengaudi, vor allem gegen menschliche Gegner - die schlechte Grafik hat man in der Zwischenzeit vor lauter Action vergessen. Leider muss dazu gesagt werden, dass das Multitap von Sensible Soccer nicht unterstützt wird, so dass maximal zwei Spieler gegeneinander antreten können. Allerdings können bis zu 64 menschliche Spieler in einer Liga oder im Pokalwettbewerb mitmachen und zuschauen, bis auch sie wieder an der Reihe sind.

Sensible_Soccer_EC.053png_thumbNoch ein Wort zum Sound und zu der schon mehrfach angesprochenen „Grafikpracht“. Der Sound nervt mit der Zeit, aber man kann ihn im Optionsmenü ausschalten (was es alles für sinnvolle Optionsmöglichkeiten gibt). Dafür zählen die Soundeffekte zu den Besten, was SNES Fussballspiele angeht. Die Grafik ist wie gesagt sehr einfach gehalten und nur zweckgemäss, denn dieses Game braucht keine Mode 7-Spielereien oder FX-Chips. Diese kleinen „Wuschelmännchen“ haben Charme und man verliebt sich so in dieses Game, so dass einem die Grafik gar nicht mehr negativ auffällt. Einige Schwächen weist das Game, neben der Grafik und Musikdudelei, aber doch auf. So sind die Spieler wirklich sehr winzig, so dass Leute mit Augenproblemen eventuell eine Lupe brauchen. Desweiteren vermisst man nicht-europäische Teams, denn nur die WM-Qualifikation zu spielen und zu gewinnen, aber dann nicht an der WM teilnehmen zu können, hinterlässt einen faden Beigeschmack - vor allem wenn in der Siegerehrung noch „Welcome to the USA“ eingeblendet wird. Zudem fehlt die Option, dass zwei menschliche Spieler in der gleichen Mannschaft mitwirken können.

Fazit des Autors - SpaghettiSensible Soccer erfreut jeden Fussballfan - zwar nicht aufgrund der Grafik und des Sounds - denn so viele Optionsmöglichkeiten bietet kaum ein anderer SNES-Fussballtitel. Die Grafik ist zwar sehr schlicht und die Spieler winzig, dafür die Spielbarkeit exzellent und das Spieltempo ist mörderisch, aber nie unübersichtlich. Das Spiel hat trotz einigen Mankos Vorteile, die anderen Fussballspielen fehlen: Es macht unheimlich Spass und es lassen sich leicht geniale Kombinationen spielen. Zudem sichert der interne Batterie-Speicher die Spielfortschritte. Es steht ein Speicherplatz pro Kategorie, also jeweils ein Speicherplatz für Nationalteams, Clubteams und Eigene Teams, zur Verfügung. Eines der besten Fussballspiele (aber nicht das Beste wie der Hersteller verspricht), da die Steuerung leicht erlernbar ist und das Game unzählige Optionen bietet. Aber eine Fussballsimulation ist es definitiv nicht, sondern ein „Fussball-Action-Game“.

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