Sonntag, 12 Dezember 2010 22:53

FIFA International Soccer

Written by Mellowdy

bewertungskasten_FIFA_IS_ohne_sternfifainternationalsoccer-3png_thumbKurz vor der Weltmeisterschaft 1994 in den USA bescherte uns EA Sports mit „FIFA International Soccer“ einen Ableger aus ihrer später sehr bekannten FIFA-Reihe. Auf namhafte Spieler wie z.B. Völler, Romario oder Baggio muss man jedoch verzichten - ja ja, die lieben Lizenzkosten. Dafür hat man freie Auswahl unter 30 der bekanntesten Fußballnationen der Welt: Angefangen bei Deutschland, Brasilien, Italien und Co. bis hin zu Exoten wie Japan, Saudi-Arabien oder Marokko.

Zu Beginn können im Hauptmenü vier verschiedene Spielmöglichkeiten ausgewählt werden. Man kann sowohl Freundschaftsspiele bestreiten als auch ein komplettes Turnier inklusive Vorrunde abhalten. Wer nur mal schnell eben den Titel holen will, der kann auch direkt in die so genannten Play-Offs einsteigen. Wem das dann immer noch nicht reicht, der darf sogar in einer Weltliga auf fröhliche Punktejagd gehen. Ganz besonders erfreulich ist übrigens, dass man nach jedem Match ein Passwort erhält, so dass man das Gekicke auch mal nach einer längeren Pause an der bis dahin erspielten Stelle bequem fortsetzen kann.

fifainternationalsoccer-6png_thumbEhe man dem gegnerischen Torwart aber die Bude vollhaut, lohnt es sich, noch einen Blick in das Optionsmenü zu werfen. Hier werden so „Kleinigkeiten“ wie die Halbzeitlänge (2 bis den Daumen vernichtende 45 Minuten), der Platzzustand, ob die Steuerung der Torhüter automatisch oder manuell erfolgen soll, das An-/Abschalten der Ahndung von Fouls und Abseits sowie die Spielart (Action oder Simulation) festgelegt. Steht diese auf Simulation, treten mit fortlaufender Spielzeit allmählich Ermüdungserscheinungen in Punkto Laufen, Schießen und Passen auf. Wer mehr auf Nonstop-Action mit keiner dieser Beeinträchtigungen Wert legt, sollte die andere Einstellung wählen sowie Fouls und Abseits deaktivieren. Dann kann nach Lust und Laune gerempelt, gestoßen und gegrätscht werden - und der Schiri drückt beide Augen zu. Nach der Auswahl einer Nationalelf gilt es letzte Vorbereitungen zu treffen und sein Team personell und taktisch auf den Gegner einzustellen. Es lässt sich u. a. festlegen, inwieweit Abwehr, Mittelfeld und Sturm das abzudeckende Spielfeld unter sich aufteilen - je weiter beispielsweise die Verteidigung mit nach vorne geht, umso konteranfälliger ist sie. Kommen hingegen die Stürmer weit in die eigene Hälfte zurück, müssen sie wiederum längere Wege beim Angriff zurücklegen.

fifainternationalsoccer-4png_thumbWelches System von der Mannschaft umgesetzt werden soll, wird in der Teamformation bestimmt. Neben klassischem 3-5-2 oder mit Libero, stehen auch die moderneren 4-4-2, 4-3-3 und für ganz stürmische das 4-2-4 zur Auswahl. An Teamstrategien reicht die Palette von „Hinten reinstellen“ über Kick’n Rush - ähnliches „Lange Bälle nach vorne schlagen“ und gemäßigte Angriffs- bzw. Verteidigungsstrategien bis hin zu „alles nach vorne werfen“. Wen das alles nicht kümmert, der kann das auch automatisch vom Computer erledigen lassen. Je nach Situation könnte es sich aber lohnen, während des Spiels die Einstellungen bezüglich Teamformation und -strategie manuell an den Spielverlauf anzupassen - sei es, um ein Ergebnis über die Zeit zu retten oder eine drohende Niederlage noch abzuwenden. Selbstverständlich sind auch Auswechselungen, im Simulationsmodus auf zwei begrenzt, möglich. Jedem Spieler ist ein dessen Stärke repräsentierender Skill - Wert zugeordnet. Anfangs steht immer die beste Elf auf dem Platz, aber wie im realen Fußballerleben auch, kann mitunter so manche Einwechslung für frischen Wind sorgen und die vielleicht entscheidende Wendung herbeiführen.

fifainternationalsoccer-1png_thumbNun darf aber endlich dem runden Leder hinterher gejagt werden. Der Blick auf das Spielgeschehen erfolgt über eine isometrische 3D-Ansicht von schräg oben, welche erfreulicherweise nie den Ball - selbst bei blitzschnellen Kontern oder langen Bällen - aus den Augen verliert. Dank der eingängigen Steuerung ist man als Neuling bereits nach ein, zwei Partien in der Lage, gepflegte Kurzpass-Kombinationen mit Torabschluss zu spielen. Hilfreich ist dabei ein rechts oben eingeblendeter Energiebalken, über den man die Stärke von Schüssen und Pässen regulieren kann. In gewissem Rahmen kann man kurz nach Abgabe des Schusses sogar noch dessen Richtung beeinflussen und erst so Weltklassetorhüter in Schwierigkeiten bringen - manchmal helfen aber auch trockene Schüsse aus der 2. Reihe, aus spitzem Winkel oder freche Lupfer. Wer nicht nur auf Ergebnis, sondern auch für die Galerie spielen möchte, kann sich natürlich auch an solch Kabinettsstückchen wie Doppelpässen, Hackentricks, auf dem Absatz kehrt machen, Fallrückziehern und Hechtkopfbällen versuchen. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass die Steuerung manchmal beim Dribbeln einen Hauch zu träge reagiert. Aber das tut dem Spielspaß wirklich keinen Abbruch und kann richtig eingesetzt mitunter auch zum Freistoß bzw. Elfmeter schinden taugen.

fifainternationalsoccer-7png_thumbDie Grafik ist ganz ansehnlich, wird allerdings keinen Schönheitspreis gewinnen. Dafür glänzt sie durch Funktionalität und eine schier endlose Animationsvielfalt. Die Zuschauertribünen sind keine zusammen gewürfelten bunten Farbkleckse, wie man sie aus diversen anderen Fußballgames kennt, sondern „leben“. Es lassen sich einzelne Fans ausmachen, die es nicht mehr auf den Sitzen hält, Fahnen schwenken, applaudieren und ihr Team wild gestikulierend anfeuern. Unterstützt wird das Ganze noch von einem von EA Sports viel gepriesenen „Stadionsound“, der durch 20 verschieden Sprechchöre für Hexenkesselstimmung sorgen soll. Das ist durchaus gelungen - tosender Applaus, Fangesänge und Buhrufe vermitteln die richtige Atmosphäre.

Dazu tragen sicherlich auch die 22 Protagonisten einen Großteil bei. Jede ihrer Aktionen ist herrlich animiert - seien es nun Flugkopfbälle, Hineinwerfen in Schüsse, Grätschen, Einwürfe, Volleyschüsse, Jubelausbrüche nach erzielten Toren oder das verzweifelte mit den Händen auf den Boden schlagen eines düpierten Abwehrspielers.

fifainternationalsoccer-5png_thumbDa gerät das sehr gut ausbalancierte Rasenschach fast zur Nebensache. Denn egal welchen Spielmodus man wählt, eines wird schnell klar: Jeder kann jeden schlagen. Es kommen kaum unrealistische Ergebnisse zustande - klare Favoritensiege stehen genauso an der Tagesordnung wie hart umkämpfte Partien oder gar peinliche Niederlagen gegen einen vermeintlichen Underdog. Leider muss man aber auf das Ritual eines Elfmeterschießens nach der Verlängerung verzichten. Stattdessen gibt es eine dritte, zeitlich unbegrenzte Verlängerung mit Sudden Death - wer zuerst trifft, hat gewonnen. Das hat zwar auch seinen Reiz, aber nicht in der Form wie die an Dramaturgie kaum zu überbietende Entscheidung am Elfmeterpunkt, wo Helden geboren werden oder Stars wie Sternschnuppen verglühen.

Etwas unglücklich ist das Handling bei gegnerischen Eckstößen gelöst worden. Hier bleibt das Spiel konsequent auf dem ausführenden Eckballschützen, so dass das Positionsgerangel im Strafraum kaum auf dem Bildschirm sichtbar ist. Erst nach der Ausführung erfasst die Kameraführung vollends das dortige Spielgeschehen - dann ist es manchmal jedoch zu spät, weil ein ungedeckter Spieler des Gegners einen gut platzierten Schuss abgeben kann. Hier hätte ein kleiner Radar vom Spielfeld bereits Abhilfe schaffen können. Entschärfen lassen sich solche Situationen dann nur durch drei Dinge: Eckbälle vermeiden, mit Mutmaßungen einen eigenen Spieler im Strafraum klug positionieren oder Weltklasseparaden vom Keeper. Insbesondere letzteres ist fantastisch in Szene gesetzt - durch den Strafraum fliegend oder Schüsse an die Latte bzw. ins Aus lenkend spielen sich manche Torhüter nach dem Motto „Heute bleibt mein Kasten sauber!“ in einen wahren Rausch. Genauso gut kann es aber passieren, dass ihnen der nächste Ball durch die Finger rutscht und sie zu tragischen Fliegenfängern werden - das ist Fußball, das ist „FIFA International Soccer“.

fifainternationalsoccer-2png_thumbAbgerundet wird das Ganze noch durch die üblichen, umfangreichen Statistiken nach Spielende und die Möglichkeit, sich seine schönsten Tore oder auch fatalsten Abwehrfehler in einer cinneastischen Wiederholung mit Zeitlupenfunktion anzuschauen. Wem das alles jetzt immer noch nicht reicht, dem sei der Multiplayer-Modus wärmstens ans Herz gelegt. Einen Multi-Adapter vorausgesetzt, können bis zu vier Mitspieler auf Torejagd gehen, grätschen was das Zeug hält, Abseitsfallen stellen oder den Ball einfach mit Köpfchen spielen.

Wer jetzt einen weiteren Leckerbissen braucht und selbst mit Marokko die Sambafußballer aus Brasilien im Schlaf austanzt, der sollte sich mal in unserem Tipps & Tricks-Bereich umschauen: die richtige Tastenkombination vorausgesetzt, sind verrückt spielende Bälle, unsichtbare Wände (es gibt kein Aus mehr - sozusagen Hallenfußball im Freien), die Freischaltung eines Dream Teams und vieles mehr möglich.

Fazit des Autors - MellowdyEigentlich bin ich kein sonderlicher Anhänger von Fußballgames, aber was EA Sports hier fabriziert hat, ist einfach nur klasse! Egal, ob man nun alleine oder mit Freunden den Rasen umpflügt, das Spiel schafft das, was einem jedes gute Game bieten sollte: Spielspaß und Motivation. Da stört auch die hin und wieder auftretende „Eckball-Problematik“ nicht. Denn insbesondere die facettenreichen Animationen und die sehr gute Spielbalance sorgen dafür, das man des öfteren große Lust verspürt, die gegnerischen Torhüter mit Schüssen aus allen Lagen ins fußballerische Nirvana zu schicken.

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