Q*Bert ist ein drolliges Kerlchen. Hätte als Müsli-Maskottchen ne gute Figur gemacht, wurde dann aber lieber Videospielfigur und hüpft im vorliegenden Fall durch einen Bit-Psychotripp amerikanischer Produktion. Komische Spiele mit Hüpfen gibt es auf dem SNES viele. Spiele, deren höchster Zweck das Frustaufstauen ist, einige. Spiele, die damit Werben von Gemälden des Malers M. C. Escher inspiriert zu sein, wenige und Spiele, deren Titel mit einem Q beginnen muss man fast mit der Lupe suchen. Oder mit Google. Dann aber spätestens landet man bei Q*Bert 3.
Was Q*Bert in seinem nunmehr zweiten Sequel eigentlich zu tun hat weiß der Knabe vermutlich selbst nicht so richtig; eine Story ist den Autoren nicht bekannt. Uns sagt das Vieh zwar nichts, dem Hören-Sagen nach war er aber mal eine ganz große Nummer auf der 80er-Arcarde-Bühne. Auf sämtlichen Konsolen folgten Umsetzungen und wir sind geneigt blind zu glauben, dass das alles mal ein ganz großer Hit war. Sein Grab fand Q*Bert auf dem SNES, und so halten wir heute sein letztes Abenteuer in den Händen. Kopfschüttelnd.
Warum? Nun, die Serie ist unter "jüngeren" Spielern nicht allzu bekannt und als 1982 das Original in die Arcades wanderte war unsere Wenigkeit noch gar nicht am herumhüpfen. Das kleine, gelbe Männchen allerdings schon. Und es schien einen gewissen Erfolg gehabt zu haben, denn eine Fersehserie sowie diverse Ports und Fortsetzungen wären sonst wohl nie auf den Markt geschmissen worden. Das Spielprinzip von Q*Bert ist sausimpel; Man springt von Kästchen zu Kästchen, um diese umzufärben. Sind alle im Level vorhandenen Platformen abgegrast, so geht es munter weiter. Damit das Ganze nicht zu einfach wird, haben sich die Entwickler natürlich etwas einfallen lassen: Diverse Gegner wollen euch aufhalten, Entfärben eure Felder oder trachten Q*Bert nach den Leben. Zufällige Extraitems geben Punkte, frieren die Gegner ein oder tragen euch an eine andere Levelstelle. In späteren Levels muss jedes Feld mehrmals abgesprungen werden. Nur leider ist das alles nichts Neues, sondern alle Features sind seit dem ersten Teil gleich geblieben, lediglich die Levels variieren. Die sind auch ein guter Stichpunkt, denn hier liegt die eigentliche Schwierigkeit des Spiels.
Q*Bert 3 wollte offenbar unheimlich nach 3D ausschauen. Die Würfelpyramiden, die dabei herauskamen, sind der isometrisch gewordene Albtraum jedes SNES-Spielers! Das Steuerkreuz unseres Controllers kennt die vier Haupthimmelsrichtungen; Q*Bert aber hüpft diagonal. Das macht uns restlos wahnsinnig: Drückt man das Steuerkreuz nach oben, hüpft Q*Bert nach Nordwesten. Es dauert entsetzlich lange mit dieser Ansicht klarzukommen! Die Rezensenten haben schließlich ihren Frieden darin gefunden, schlicht ihre Controller um 45° nach links zu drehen, dennoch hüpften wir regelmäßig enthusiastisch über den Levelrand in den Tod. Dann und wann meint man vielleicht, den Bogen rauszuhaben. Glaublich aber unwahr, denn wir haben es mehrere Stunden gespielt und fühlen uns in der Steuerung immernoch kein bisschen sicherer. Ganz gleich wie oft man ein Level schon gespielt hat, über kurz oder lang raubt einem die Hektik das nötige Fingerspitzengefühl um Herr der Lage zu bleiben. Frustige Angelegenheit, aber vielleicht kann man das ja auch als Feature des Geschicklichkeits-Genres verklären, aber das Wörtchen "unfair" ist manches mal gefallen.
Das Gameplay mag vielleicht unter der isometrischen Perspektive leiden, doch die Grafik kann sich wirklich sehen lassen. neben den Pseudo-3D-Spielfeld sind es aber auch die Hintergründe, die mit hübschen Mode 7-Effekten überraschen. Auch unterschiedlichen Level sind durch viele Grafiken abwechslungsreich anzusehen. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Q*Bert 3 spart eindeutig in Sachen Animationen und lässt den Protagonisten wie auch die Gegner beim Herumhüpfen eher starr wirken. Musikalisch legten die Entwickler wohl wert darauf, möglichst abgedreht rüberzukommen. Die schwungvollen Dudeltitel halten den Spieler zwar einigermassen bei guter Laune, währen aber in Einschätzung der Verfasser eher weniger zum normalen Anhören geeignet. Die Soundeffekte untermalen das Geschehen humorvoll und passen recht gut. Technisch ist Q*Bert im Schnitt also in Ordnung, hebt sich allerdings im recherschierten Vergleich zu den Vorgängern - abgesehen von den Mode 7-Effekten - nicht großartig ab. Zu wenige Optionen, keine Passwörter und ein abwechsel-Multiplayer runden das halbgare Bild im Vergleich zu den Vorgängern ab.
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 02. Oktober 2011 um 10:03 Uhr