Bram Stoker's Dracula Drucken E-Mail

Geschrieben von: TheFux   
Mittwoch, den 10. August 2011 um 17:53 Uhr

bewertungskasten_bram_stokers_dracula_ohne_sternTheFuxBram_Stokers_Dracula.002png_thumbBram Stoker's Dracula, was ein Meisterwerk von einem Streifen. Die gleichnamige Spielumsetzung versucht zwar, sich im Ruhm der Filmvorlage zu suhlen, lässt euch aber trotzdem mit jedem Augenblick ihres Gameplays wissen, dass sie viel lieber das nächste Castlevania geworden wäre. Aus den tiefsten, stinkigsten Lizenz-Sümpfen, die Transsylvanien so zu bieten hat, fischte Sony Imagesoft im Jahre 1993 ein Spiel, das man besser drin gelassen hätte: Bram Stoker's Dracula auf dem SNES vergewaltigt einen Horrorklassiker. Und das Genre der Action-Platformer gleich mit.

Zur Story ließe sich einiges sagen, wenn das hier denn ein Film-Review wäre. Im Spiel bekommt man von Stokers Erzählung allerdings nichts mit. Gemeinsamkeiten mit dem Film finden sich wirklich nur im Titel auf der OVP. Ihr spielt also einen pixeligen Keanu Reeves, der seinerseits einen gewissen Jonathan Harker spielt, und kämpft euch beispiellos spaßfrei durch 15 Levels, die nicht einmal im Ansatz an die Filmvorlage angelehnt sind. Wie so oft dachten die Entwickler wohl, die Lizenz allein werde schon für den nötigen Umsatz sorgen.

Bram_Stokers_Dracula.575png_thumbNach dem Intro werden wir direkt ins erste Level geworfen. Der Spielablauf ist simpel, wer Castlevania schonmal gespielt hat, wird die Steuerung sofort begreifen. Mit der Taste A schlägt man, mit B springt man und mit X kann man eine Sekundärwaffe einsetzen. Es gibt verschiedene Waffen im Spiel und man hat ein Schwert als Standardwaffe. Sekundärwaffen gibt es auch einige, vom Gewehr über Dynamit bis zum Holzpflock ist alles vorhanden was Vampiren schadet. Allerdings bringen die Sekundärwaffen nicht wirklich viel (Dynamit z.B. "prallt" einfach von sämtlichen Objekten ab und fliegt dann ganz wo anders hin). Realistisch betrachtet reicht es, sich nur auf sein Schwert zu verlassen. Obwohl dieses nur eine kurze Reichweite hat, ist es nämlich die präziseste und schnellste Waffe im Spiel. So schnell kann Jonathan mit seiner Klinge zuschlagen, dass selbst mehrere Gegner gleichzeitig kein Problem für ihn sind. Stehenbleiben, die Gegner kommen lassen und per Dauerschlag niedermähen, so kann man prinzipiell das ganze Spiel durchstehen. Vor allem, weil es nur einen einzigen Standardgegner gibt, der über einen Distanzangriff verfügt. Das ist schon ziemlich billig.

Bram_Stokers_Dracula.180png_thumbDas aller schlimmste ist aber das Leveldesign. Dieses ist, wie ich finde, das wichtigste bei einem 2D-Platformer. Ein Level sollte abwechslungsreich sein und Interaktionsmöglichkeiten bieten. Dazu gehört nicht nur, dass die Level ÜBERHAUPT Plattformen, Geheimgänge oder Fallen haben sollten (all dies wird hier kaum genutzt; das Spiel ist so strunzlinear wie ein Lineal), nein - ein Level sollte auch nicht so unerträglich kurz sein wie in diesem Fall. Alle Level in diesem Spiel können ungelogen in unter dreißig Sekunden durchgespielt werden. Besonders zu Anfang bestehen sie wirklich nur aus einer Linie, die der Spieler vom Leveleingang bis zum Ausgang abläuft und auf der es zu etwas Feindkontakt kommt. Sprungpassagen führen hier bestenfalls zu einer "versteckten" Sekundärwaffe, auf die man, wie gesagt, verzichten kann. Lebensenergie wurde übrigens fast völlig vergessen, hiervon findet man im ganzen Spiel vielleicht zehn Rationen. Erst später im Spielverlauf stößt man dann mal auf einen Schalter, der eventuell eine verschlossene Tür öffnet oder eine Falle abstellt. Unnötiger Weise gibt es zudem einen Richtungspfeil, der einen zum Levelausgang führt.

Bram_Stokers_Dracula.406png_thumbJedes Level ist so aufgebaut: Folge dem Pfeil und finde einen seltsamen Mann, der dir in einer Gedankenblase eine Waffe zeigt, die im Level versteckt ist. Erst wenn man mit diesem Mann „gesprochen“ hat, öffnet sich der Ausgang und man muss ein weiteres mal dem Pfeil folgen. Neben den Vampir-Barbaren, den Skeletten und den Zombies gibt es dann manchmal auch noch einen fetten Endgegner am Levelende. Ganz im Stil von Castlevania sind diese wirklich ganz nett anzusehen und wirken durchaus monumental. Aber leider sind auch diese sowas von einfach zu besiegen. Man muss entweder auf den Gegner losrennen, vor ihm stehen bleiben und zuhauen, bis er tot ist oder man stellt sich in eine Ecke, wartet bis der Endgegner einem nahekommt, duckt sich kurz und schlägt dann aus der Hocke munter auf den Boss ein. Das geht meist recht fix, denn die Bosse verfügen nur über sehr wenig Lebensenergie. Im ganzen Spiel gibt es schlicht und ergreifend keine einzige Herausforderung und auch Rätsel sucht man vergebens, Spaß kommt zu fast keiner Zeit auf. Nur das letzte Level wird gegen Ende ein bisschen schwerer, aber auch dieses ist einfach zu meistern.

Bram_Stokers_Dracula.078png_thumbDie Technik von Bram Stoker's Dracula ist bestenfalls als mäßig zu bezeichnen, denn die Grafik ist nicht wirklich schön. Zu viele Level teilen sich außerdem die wenigen, detailarmen Texturen und alles sieht irgendwie verwaschen und lieblos aus. Wenn man sich die verschiedenen Levels ansieht, dann gibt es auch nicht sehr viel Abwechslung bei den Locations, denn es ist fast immer ein Burg-Level oder ein Wald-Level und so gibt es auch nicht wirklich große grafische Veränderungen. Effekte sind überhaupt keine vorhanden, außer man zählt die Rauchwolke dazu, die hinterlassen wird, wenn ein Gegner stirbt. Der Sound ist da schon ein wenig besser als die Grafik und bringt öfters durch einen guten Beat Stimmung in das sonst sehr langweilige Geschehen. Negativ fallen aber die Soundeffekte auf. Da ist beispielsweise das Stöhnen der Gegner, welches unglaublich abgehackt klingt und spätestens nach dem 20 Mal tierisch anfängt zu nerven. Sehr merkwürdig ist übrigens auch, dass beim Töten eines jeden Feindes stets das Geräusch einer Explosion ertönt. Alles in allem wirkt Bram Stoker's Dracula technisch gesehen einfach überhastet und ideenlos zusammengeklatscht.

Fazit des Autors - TheFuxBram Stoker's Dracula ist ein äußerst schäbig programmierter Castlevania-Klon und somit ein Spiel, das kein Mensch braucht. Mehr möchte ich zu dieser Gurke auch gar nicht sagen. Wenn ihr nach einem coolen Action-Platformer sucht, dann lasst besser die Finger davon! Lediglich für Sammler könnte dieser Reinfall interessant sein, denn das Spiel ist ziemlich selten und selbst lose kaum unter 50 Euro zu bekommen.

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 10. August 2011 um 17:53 Uhr