Virtual Soccer Drucken E-Mail

Geschrieben von: Spaghetti   
Mittwoch, den 10. August 2011 um 17:53 Uhr

bewertungskasten_virtual_soccer_ohne_sternSpaghettiVirtual_Soccer.003png_thumbIm Jahre 1994 brach eine regelrechte Fußball-Welle in die Welt des Super Nintendo herein. Mit Titeln wie International Sensible Soccer und FIFA International Soccer erhielten zwei etablierte Serien ihre entsprechenden Nachfolger, aber viele andere Firmen wollten ebenfalls ein Stück vom großen Kuchen abhaben. So auch der (bis dato quasi völlig genrefremde) Publisher Hudson. Mit Virtual Soccer wagte sich der Bomberman-Hersteller erstmals an das umkämpfte Fußball-Genre - und dies kann als durchaus geglückter Versuch bewertet werden.

Das Fußballspiel von Hudson Soft sticht gegenüber der Konkurrenz vor allem durch seine sehr vielen Einstellungsmöglichkeiten hervor: Der Spieler kann die Zeit, das Wetter (schön, Hitze oder Regen), die Ansicht des Spielfelds (Ansicht von oben, Seitenansicht oder Bodenansicht), den Zustand des Rasens (fest, hart oder aufgeweicht), die Strenge des Schiedsrichters, die Windrichtung (windstill, nördlicher, südlicher, östlicher oder westlicher Wind) und ganz allgemein den Schwierigkeitsgrad (normal oder schnell) bestimmen.

Virtual_Soccer.030png_thumbZudem kann der Spieler bis zu acht eigene Teams erstellen. Diese werden von der internen Batterie gespeichert. Im Spiel selbst kann man sich entweder für die Meisterschaft oder für diverse Cups entscheiden. Es gibt auch Cups, die mit den vom Spieler entworfenen Teams gespielt werden können. Auch ein Trainingsmodus ist vorhanden, in dem z.B. das Elfmeterschießen geübt werden kann (inkl. Torwart-Training!). Bis zu zwei Spieler können in den diversen Modi entweder gegen oder miteinander spielen. Noch mehr Einstelloptionen bietet nur die Sensible Soccer Reihe. In der kontinentalen Meisterschaft stehen 24 Mannschaften zur Auswahl, die leider nicht über Originalspielernamen verfügen. Die Meisterschaft funktioniert nach dem K.O.- System. Daneben gibt es noch eine separate Liga, in der man mit den vom Spieler erstellten Mannschaften um die Trophäe kämpft. Ein Sieg bringt drei, ein Unentschieden einen und eine Niederlage null Punkte. Gewonnen hat, wer nach 14 Spielen am meisten Punkte aufweist. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert der Nations-Shield-Preis - bloß mit dem kleinen Unterschied, das in dieser Liga mit vorgegebenen Fußballteams gespielt wird.

Virtual_Soccer.183png_thumbNach dem Anpfiff geht es gleich ziemlich rasant los. Das Spieltempo ist durchaus mit dem von Sensible Soccer oder World Cup Striker vergleichbar, das heißt es herrscht auch auf dem leichteren Schwierigkeitsgrad bereits ein forsches Tempo auf dem Platz. Die Steuerung ist insgesamt gesehen etwas zäh und vor allem ist die Knopfbelegung zu kompliziert. Dies spiegelt sich auch in der Anleitung wider: Von den 16 Seiten sind alleine sechs der Steuerung gewidmet. Wer sich bereits an die Steuerung von FIFA International Soccer gewöhnt hat, dem wird die Knopfbelegung von Virtual Soccer ernstes Kopfzerbrechen bereiten. Trotzdem sind ansprechende Spielzüge möglich und nach einiger Übung lassen sich auch die ersten Tore erzielen. Im Vergleich zur Konkurrenz ist die Spielbarkeit bei Virtual Soccer solide, ohne große Höhen oder Tiefen. Allerdings fehlt für den Thron der Fußballspiele so einiges. Vor allem zeichnet sich die Spielbarkeit nicht durch große Innovationen aus, so dass Virtual Soccer als gut spielbares, aber nicht überragendes Fußballspiel zu bezeichnen ist. Außerdem ist der Schwierigkeitsgrad eher hoch angesiedelt - also nichts für blutige Anfänger.

Virtual_Soccer.145png_thumbDie Grafik ist meistens flüssig; nur bei hohen Bällen gerät das SNES stark ins Stocken - vor allem wenn man in der Seitenansicht spielt. Die Animationen der Spieler sind nett, aber ein Hintergrund fehlt während des normalen Spiels gänzlich - um das Feld herum gibt es keine Zuschauertribünen, sondern einfach eine grüne Fläche ohne Animationen. Dafür gibt es während des Spiels kleine Gags, wie der Münzwurf bei Spielbeginn oder die Sanitäter mit der Tragbahre, die einen Verletzten abholen. Gimmicks wie diese lockern das Ganze grafisch doch noch etwas auf. Lobenswert ist auch das Interface, wie etwa die umfangreichen Statistiken (z.B. von der Mannschaftsstärke bis hin zur individuellen Stärke jedes einzelnen Spielers), die nach Spielende in der Spielanalyse aufgeführt werden. Insgesamt ist die Grafik also durchschnittlich. Auch akustisch kann Virtual Soccer nicht vollständig auftrumpfen. Die Musik in den Optionsmenüs ist schlicht und ergreifend nervig, während des Spiels wird der Spieler hingegen von landesspezifischen Klängen überrascht. So ertönen zum Beispiel die vertrauten Sambaklänge, wenn die brasilianische Mannschaft auf dem Platz ist.

Fazit des Autors - SpaghettiVirtual Soccer verfolgt einen interessanten Ansatz: Der Spieler darf wählen, ob er lieber in der Ansicht von oben, in der Seitenansicht oder der Bodenansicht spielen will. Freilich erweist sich die praktische Umsetzung dieser an sich guten Idee als fragwürdig, da vor allem in der Seitenansicht das Game doch stark zu Ruckeln beginnt. Wer auf umfangreiche Einstellmöglichkeiten und auf editierbare Teams, die man abspeichern kann, steht, findet in Virtual Soccer einen respektablen Vertreter seines Genres. Allerdings ist das Spiel nicht in der Lage, den SNES-Fußball-Olymp zu erklimmen. Dafür ist die Spielbarkeit zu zäh und vor allem zu unausgereift. Wer mehr Wert auf Spielbarkeit legt, ist sicherlich mit der ISS-Reihe oder Striker besser beraten.

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 10. August 2011 um 17:53 Uhr