Das Genre der Shoot'em Ups zeichnet sich vor allem durch einen hohen Schwierigkeitsgrad aus, und auf dem SNES war das nicht anders. Die Hardcoregamer freut's, aber Gelegenheitsspieler schmeissen nach dem zehnten Levelneustart gefrustet das Joypad in die Ecke. Wer sich von diesen Sätzen angesprochen fühlt, aber das Genre trotzdem interessant findet, dem kann ich besten Gewissens Pop'n TwinBee ans Herz legen. Selbst wer Parodius stellenweise zu hart findet, wird die niedrigeren Schwierigkeitsstufen dieses Spiels gleichwohl noch knacken können.
Die Story ist schnell erzählt. Twinbee und Winbee befinden sich auf einer Wachstreife, als plötzlich feindliche Truppen auftauchen und ein Flugzeug angreifen. Die beiden eilen zur Hilfe und befreien dabei das Mädchen Madoka. Es stellt sich heraus, dass ihr Vater Wissenschaftler ist, durch einen Stoß am Kopf verrückt wurde und plant, die Donburi Islands zu unterwerfen. Twinbee und Winbee machen sich also auf, um den verrückten Wissenschaftler aufzuhalten. Die Story gewinnt zwar sicherlich keinen Oscar, für einen Shooter reicht's aber allemal.
Pop'n TwinBee bedient sich der Draufsicht. Man scrollt also nicht von links nach rechts, sondern von oben nach unten, so dass die Level vertikal ablaufen. Auf dem Schlachtfeld kann man hier im großen und ganzen zwischen zwei unterschiedlichen Gegnerarten unterscheiden, die man jeweils nur mit bestimmten Waffen angreifen kann – Gegner in der Luft oder Gegner am Boden. Wirft man beispielsweise Granaten, so trifft man (relativ zielsuchend) Gegner am Boden und feuert man hingegen die üblichen Schüsse ab, so werden fliegende Gegner bedient. Der auf einige wenige Anwendungsmöglichkeiten begrenzte Twinbeeschwarm ist ferner die so genannte Smartbomb dieses Titels und räumt in brenzligen Situationen zuverlässig sämtliche Gegner sowie feindliche Projektile von Bildschirm. Ein weiterer Move von Twinbee wäre noch der aufladbare Faustschlag, der zwar besonders stark, aber durch seine geringe Reichweite leider nicht besonders nützlich ist. Einige Gegner lassen sich allerdings nur mit ihm bezwingen. Aber keine Sorge, dabei handelt es sich wirklich nur um eine kleine Handvoll aus der großen Menge verschiedener Gegnerarten, die das Spiel bietet.
Die Power Ups von Pop'n TwinBee sind (wie bei Parodius) Glocken, die bei Beschuss ihre Farbe ändern und je nach Färbung verschiedene Vorteile bewirken (z.B. Mini- Twinbees, Waffenupgrades, einen Schild oder einfach Punkte). Da manchmal ganze Scharen von Power Ups auftreten und man durch die Gegner nicht viel Zeit zum Selektieren hat, wird das Ganze leider oft zur chaotischen Glückssache. Wird Twinbee getroffen, so stirbt man nicht sofort, sondern verliert etwas von seiner Lebensleiste und kann sie mit Herzboni auch wieder auffüllen. Die die Schusskraft verbessernden Mini-Twinbees gehen bei Treffern leider auch verloren. Der Zweispieler-Modus ist übrigens sehr gut gelungen; Es gibt mehrere Spielstellen, an denen es durchaus sinnvoll ist, zu kooperieren und nur selten wird es zu unübersichtlich. So kann man sich z.B. gegenseitig als Wurfgeschoss verwenden oder dem Mitspieler die Lebenspunkte auffüllen. Zudem ist das Spiel für ungeübte Spieler leicht zugänglich und macht zu zweit einfach noch einen ganzen Tick mehr Spaß. Co-op-Modi waren keine Selbstverständlichkeit bei Konsolenshootern der frühen 90er und allein deshalb ist Pop'n TwinBee schon ein besonderer Titel.
Technisch hat Pop'n TwinBee definitiv auch einiges auf dem Kasten. Die Grafik ist sehr bunt und detailreich gehalten, die Animationen wirken flüssig, die Level schön und abwechslungsreich. Besonders bei den Endgegnern fährt das Spiel grafische Geschütze auf: Riesige Sprites, Transparenz- und Mode 7-Effekte verwönhnen das Auge. Wer auf höherem Schwierigkeitsgrad spielt wird ausserdem eine Menge Schüsse auf dem Bildschirm haben, wobei das Spiel nur selten Slowdowns erleidet. Der japanische Grafikstil ist übrigens recht eigen, passt bei Twinbee jedoch wie die Faust aufs Auge. Spiele dieser Machart sind in Szenekreisen als Cute'Em'Up bekannt, wer sich also eher nicht mit dem niedlichen Grafikstil anfreunden kann, sollte lieber gleich die Finger von solchen Titeln lassen. Die Musik von Twinbee ist dem Setting gut angepasst, hat neben einer Handvoll Ohrwürmern aber eher nur unbeeindruckende Kompositionen zu bieten. Die Soundeffekte sind mit einigen Voicesamples schon herausragender. Der Spielumfang ist bei 7 Level mit je bis zu zwei Endgegnern für ein Shoot'em Up auch ziemlich ordentlich. Man braucht immerhin fast eine Stunde bis der letzte Boss geplättet ist.
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 08. November 2011 um 23:11 Uhr