Ah, Super Aleste. In den USA auch als „Space Megaforce“ bekannt. Verneigen wir uns vor einem Klassiker. Ich fühle mich fast unwürdig, dieses Spiel zu reviewen. Man kann Super Aleste getrost mit Spielen wie Chrono Trigger, Donkey Kong Country oder Zelda vergleichen: Spiele, die das Rad nicht neu erfinden, dafür aber alles altbewährte zur Perfektion bringen. Genau das tut Super Aleste. Ist es vielleicht das beste Shoot'em Up der Welt? Um die Wahrheit zu sagen, ich weiß es nicht. Aber es lässt alle Shoot'em Ups die ich kenne weit hinter sich.
Es gibt zwei Arten von Shoot'em Ups: Jene mit Seitenansicht, da wird von links nach rechts geballert, und solche mit Vogelperspektive, da ballern wir von unten nach oben. Ich bevorzuge letztere. Für mich war es immer etwas unangenehm, vor Shootern wie Macross, R-Type oder Gradius zu sitzen, dabei nach rechts vorzustoßen und hoch bzw. runter fliegen zu müssen um auszuweichen. Ich sitze ja auch nicht seitlich vor dem Fernseher... Bei Super Aleste fliegen wir vertikal gradeaus. Das wirkt auf mich einfach ein bisschen intuitiver.
Erzfeind in Super Aleste sind, wie zu erwarten war, die bösartigen Außerirdischen, welche unseren schönen Heimatplaneten bedrohen. Leider Gottes hat sich das Gesocks schon ziemlich auf unserem Erdball festgesetzt und nur äußerst ungern lässt es sich von uns wieder vertreiben. Aber was sein muss, muss eben sein, so etwas wie Mitleid kennen wir natürlich überhaupt nicht. Ebenso wenig wie die zahllosen Feinde, so dass wir naturgemäß besonders heftige Waffen benötigen, um die endlos scheinenden Massen an Aliens inklusive ihrer Schiffe in sämtliche Einzelteile zerlegen zu können. Das Eliminieren der Feinde wird uns mit Hilfe von insgesamt acht Extrawaffen erleichtert, die Verwendung unter anderem von Bomben, Raketen und der guten alten Laserkanone kommt hier keineswegs unerwartet. Nützliche Kriegsutensilien wie Plasmaschilde, Kurzstreckenraketen oder zielsuchende Lasergeschosse lassen sich netterweise durch das Einsammeln entsprechender Extras weiter aufrüsten, was die Durchschlagskraft der Waffensysteme an Board erheblich erhöht. Das ist bei Shoot'em Ups ja bekanntlich Gang und Gäbe. wie gesagt, Super Aleste erfindet das Rad nicht neu.
Mit bis zu sechs Stufen könnt Ihr Eure Waffen aufrüsten, wobei Ihr genau darauf achten solltet, nicht versehentlich ein anders Extra einzusacken als eure momentane Waffe benötigt, ansonsten müsst Ihr mit dem Upgraden wieder von neuem anfangen. Euch auf einen bestimmten Upgradetypus zu spezialisieren, wird Euch mit Sicherheit alles andere als leicht fallen, schließlich werdet Ihr genug damit zu tun haben, den zahlreichen Geschossen der Feinde auszuweichen und diese gleichzeitig in Grund und Boden zu schießen. Natürlich gibt es hier Action satt, Verschnaufpausen gibt es zwar ab und zu für wenige Sekunden, aber so richtig Zeit zum Luft holen bleibt Euch eigentlich nie. Das ist im Grunde auch gut so, fesselt Euch das Gameplay somit doch extrem stark an den Bildschirm, so dass sich schon nach erstaunlich kurzer Zeit unverkennbar ein erheblicher Suchtfaktor breit macht. Bei all dem Chaos könnt ihr euch jederzeit auf eine astreine Steuerung verlassen. Das Handling ist simpel, schnell habt Ihr den Bogen raus, ballert wie selbstverständlich aus allen Rohren und schaltet dabei ohne größere Probleme zwischen Standardschuss, Raketen, Laser und Smartbomben hin und her.
Das was Super Aleste in meinen Augen dann tatsächlich vollends zu einer Art Meilenstein der 2D-Shooter-Geschichte macht, ist die Tatsache, dass jeder einzelne Spielabschnitt voller Überraschungen steckt und kein einziger der insgesamt zwölf (umfangreichen) Level auch nur im Ansatz einem anderen gleicht. Ob Ihr durch tiefe Täler hindurchsausen müsst und damit möglichst viele Bodenziele vernichtet, Euch durch enge Labyrinthe schlängelt, an gewaltigen Felsformationen vorbeirauscht oder auch im Highspeed-Tempo Jagd auf den Highscore macht, langweilig wird es Euch hier definitiv nie. Nie und nimmer. Selbst der Vollprofi kommt hier trotz des „nur“ mittleren Schwierigkeitsgrades auf seine Kosten, denn nach erstmaligem Durchspielen warten knackigere Anforderungen auf den Spieler. Das sorgt zum einen für massig Wiederspielwert, zum anderen erlaubt der normale Durchlauf auch ungeübten Genreneulingen Erfolgserlebnisse. Selbstverständlich werden Eure Mühen spätestens am Ende des jeweiligen Spielabschnitts belohnt, denn dann wartet regelmäßig ein aufsehenerregender, fetter Engegner auf Euch, welcher euch grundsätzlich mächtig einheizt.
Sehr positiv ist, dass es trotz der unaufhörlichen Action zu keinem Zeitpunkt ruckelt, was wirklich eine reife Leistung darstellt, da es auf dem Bildschirm von Sprites und Effekten nur so wimmelt. In dieser Hinsicht zeigt die Spieltechnik von Super Aleste eine sehr hohe Qualität auf, was umso bemerkenswerter ist, hält man sich vor Augen wie früh Super Aleste erschien und wie oft spätere Shoot'em Ups noch unter Performance-Problemen zu leiden hatten. Die Hintergründe an sich sind zwar oft bunt, aber insgesamt zu detailarm ausgefallen, darüber können jedoch die unzähligen, beeindruckenden Licht- und Feuereffekte hinwegtäuschen. Vereinzelt gibt es auch Passagen, die die Möglichkeiten des - damals - revolutionären 3D-Chips zumindest ansatzweise aufzeigen. So bekommen wir es unter anderem auch mal mit zoomenden Plattformen zu tun. Die Soundkulisse ist in qualitativer Hinsicht ebenfalls recht gut, die Hintergrundmelodien sind interessanterweise rein orchestral. Von den Soundeffekten hatte ich mir etwas mehr versprochen, da hätte es ruhig noch etwas mehr krachen dürfen. Wirklich zu kritisieren gibt es akustisch aber sonst eigentlich nichts.
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 17. August 2011 um 09:54 Uhr