Cybernator Drucken E-Mail

Geschrieben von: ChronoMoogle   
Mittwoch, den 10. August 2011 um 18:22 Uhr

bewertungskasten_cybernator_ohne_sternChronoMooglecybernator1png_thumbZum Wintergeschäft '92 waren japanische Gamer im Mech-Fieber! Warum? Assault Suit Valken schlug in den Super Famicom-Markt ein wie eine Bombe. Da ein westliches Release scheinbar nicht geplant war, besorgte sich Konami (in Europa: Palcom) die Releaserechte und brachte den Verkaufsschlager '93 ebenfalls auf den westlichen Markt. Für diesen wurde Assault Suit Valken jedoch erstmal in Cybernator umgetauft. Wahrscheinlich, weil die Mutterserie hierzulande total unbekannt war. Oder weil das so schön nach "Terminator" oder "Probotector" klingt...

Wie auch immer. Dieses Review ist ausdrücklich nicht auf die japanische Version (Assault Suit Valken) fokussiert. Warum ich das so betone, werdet ihr im Verlauf des Reviews sicherlich noch herausfinden. Als Trivia sei aber vorab angemerkt, dass der direkte Vorgänger dieses Spiels eventuell dem ein oder anderen als "Target Earth" auf dem Mega Drive bekannt sein könnte. Das war in Japan nämlich ebenfalls ein Assault Suit Ableger. Aber was soll denn nun diese dämliche Verwestlichung, wenn der Titel selbst im Original schon recht westlich ist...?

cybernator2png_thumbWie ihr angesichts des Titels dieses Spieles vielleicht schon (ganz richtig) vermutet habt, steuert der Spieler in Cybernator einen Kampfroboter. In bester Run'n'Gun Manier darf sich also zünftig durch die Levels geballert werden. Und es wird wirklich alles dabei zerstört, was sich bewegt oder irgendwie im Wege steht. Klingt ziemlich spaßig und spaßig ist es auch in der Tat. Aber Cybernator ist weitaus mehr als nur der zigste Contra- oder Metal Slug-Klon. Euer Mech kann nämlich eine ganze Menge: Schwebeflug, Dashen, Schilde hoch- und runterfahren, Waffenwinkel ändern... Die Steuerung ist überaus komplex und man braucht einiges an Übung, um mit seinem Mech warm zu werden. Zuweilen etwas umständlich wirkende Eingabebefehle wie "Hoch" und "Runter" sind zum Beispiel für die genaue Zielausrichtung des Waffensystems gedacht und auch ansonsten ist so ziemlich jede Taste auf dem SNES-Controller mit irgendeiner Aktion belegt. Ihr findet im Spielverlauf bis zu fünf verschiedene Waffen, welche sich zudem mehrmals upgraden lassen. Es ist übrigens im Anbetracht der gegnerischen Feuerkraft auch durchaus empfehlenswert, hiervon Gebrauch zu machen.

cybernator3png_thumbFür alle die den Vorgänger kennen: die spielerischen Erweiterungen fallen auf jeden Fall recht üppig aus. Wenn man sich erstmal an die recht exklusive Steuerung gewöhnt hat, weiß man schnell zu schätzen, wie flüssig und facettenreich das Gameplay in Wirklichkeit ist. Als willkommene Abwechslung zu den reinen Bodenlevels herrscht in einigen der insgesamt sieben großen Stages ab und zu mal Schwerelosigkeit, oder es werden kleinere Shoot'em Up- beziehungsweise Slide-Abschnitte eingeworfen. Eine breite Gegnerpalette - zum Beispiel schwache, dafür aber schwer zu treffende Bodeneinheiten, schnelle Flugzeuge, riesige Kampfroboter oder mächtige Geschütztürme - sowie eine Unzahl Hindernisse verlangen stets ein umsichtiges Vorgehen. Regelrecht bildschirmfüllende Bosse und abwechslungsreiche Szenarien tun dabei ihr Übriges, um das Spiel zu einem unvergesslichen, wenn auch bockschweren Erlebnis zu machen. Wer es schafft, ohne Tricks bis zum letzten Endgegner vorzudringen, der fühle sich meines tiefsten Respekts versichert. Wiederspielwert durch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gibt es leider nicht, aber immerhin 2 mögliche Enden.

cybernator4png_thumbTechnisch glänzt Cybernator ungelogen wie kaum ein anderes Spiel seinerzeit. Wahrhaft riesige Sprites und unheimlich viele Schüsse wandern hier über den Bildschirm, ohne die Framerate dabei auch nur minimal in die Knie gehen zu lassen. Da kennt man ja ganz andere Kandidaten (schämt euch, Super R-Type und Thunder Spirits!!). Neben sehr vielen zerstörbaren Gegenständen innerhalb der Level lassen sich übrigens selbst die Wand- oder Bodenoberflächen durch eigene oder auch gegnerische Schüsse deutlich ankratzen. Zerstörbare Texturen? Überlegt selbst einmal wie oft das SNES sowas zu Gesicht bekommen hat. An vielen weiteren kleinen Details, massenhaft Explosionen und Grafikeffekten wurde ebenfalls nicht gespart. Ein wahres Feuerwerk! Gamerherz, was willst du mehr? Die Musik könnte glatt aus einem episch angehauchten Anime kommen und gibt der Action ordentlich Feuer. Satte Soundeffekte bei Explosionen und Ballerei sorgen für ein glaubhaftes Spielerlebnis. Wie gesagt - die Technik ist für den Releasezeitraum auf jeden Fall ganz weit oben, auch wenn das SNES mit ein paar späteren Titeln noch ein Stückchen mehr ausgereizt wurde.

cybernator5png_thumbDie Story von Cybernator ist ein zweischneidiges Schwert und genau hier kommt der Fakt zu Bedeutung, dass dies ein Review der westlichen Versionen von Assault Suit Valken ist. Die Story wurde nämlich in vielerlei Hinsicht beschnitten. So werden in der Originalversion während der Levels immer wieder Funksprüche von Truppenmitgliedern ohne Spielunterbrechung eingeworfen, was dem Spiel nicht nur mehr Story, sondern auch tiefere Charaktere und folglich mehr Atmosphäre beschert hat. Sogar einige Ingame-Zwischensequenzen wurden einfach ersatzlos entfernt. Jeder Charakter hatte im Original ein Gesichtssprite mit verschiedenen Emotionen, welche im Starwing-Stil zu den Nachrichten mit aufpoppten. Ebenfalls gestrichen. Die Story, die übrig bleibt, wurde zudem noch simplifiziert und ihr seid nunmehr bloß noch irgendein Mecha Soldat, der sich von Mission zu Mission mit einem gewissen Ziel und einer kleinen Verkettung der Ereignisse schwingt. Von der ursprünglichen Storytiefe keine Spur. Konami/Palcom: Für die schlechte Lokalisation gibt es eine 6. Setzen. Daran, dass Cybernator aber trotzdem noch ein sehr gutes Spiel ist, ändert das aber natürlich nichts.

Fazit des Autors - ChronoMoogleEin ordentlicher Umfang, ein nicht gerade intuitives, aber dafür komplexes Gameplay und hervorragende Technik schaffen ein rundum vorbildliches Actionpaket. Ein Punkt Abzug im Spielspaß gibt es jedoch für die unschön beschnittene Handlung. Dieses Spiel sollte trotzdem in keiner ordentlichen Sammlung fehlen und ist bereits für kleines Geld zu haben. Übrigens zog der Erfolg des Titels gleich 2 inoffizielle Nachfolger auf dem SNES mit sich, die sich des gleichen Settings und Gameplays bedienen. Metal Warriors von Lucas Arts und Front Mission - Gun Hazard von Square (!). Beide mindestens genauso empfelenswert wie das Original!

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 10. August 2011 um 20:38 Uhr