Ninjas - Kundschafter, Spione, Saboteure oder Meuchelmörder. Sie prägen bis heute die Kultur Japans. Neben den Samuraikriegern sind sie die bekanntesten Gestalten des Landes seit seiner vorindustriellen Epoche und tauchen bis heute, wenn auch oft verklärt, in allgegenwärtigen Spielfilmen auf. Im deutschen hat "Ninja" die Bedeutung "Verborgener". Die Zweitbezeichnung "Shinobi" heißt wörtlich übersetzt "Verbergen". Weibliche Ninjas werden schlicht "Kunoichi" genannt, was sich auch in den Charakternamen von Ninja Warriors niederschlägt.
1987, als die Arcade-Automaten den Alltag der leidenschaftlichen Zocker bestimmten, erblickte The Ninja Warriors erstmals das Licht der Videospielwelt. Raffinierte Kampftechnicken, zwei Ninjakrieger: Das Herz eines jeden Gamers schlug höher. Mit Street Fighter, welches ja im selben Jahr seine Erstveröffentlichung zelebrierte, hatte Ninja Warriors gleich einen ernsthaften Konkurrenten um die Fighting-Krone. Trotzdem wurde es zu einem Videospielhit und schaffte es auf mehrere Konsolen. Ob PC Engine, Mega CD, ZX Spectrum, Amstrad CPC, Commodore 64, Amiga oder Atari ST - das Game schlug ein wie eine Bombe.
Nun kommen wir wohl zum Sahnehäubchen der Serie, nämlich dem SNES Sequel. Diese Nachfolgerversion bekam in Europa den verwirrenden Namen Ninja Warriors, während die japanische Version mit "The Ninja Warriors Again" klar einen Nachfolger suggerierte. Es hatte in Sachen Grafik und Sound natürlich erhebliche Fortschritte gemacht, schließlich brachte die neue Konsolengeneration neue technische Möglichkeiten mit sich. Von solch einer Technik konnte man zu Arcadezeiten teilweise nur träumen. Das Gameplay bedient sich sowohl an dem Vorgänger als auch an bekannten Genrevertretern wie Final Fight. Allerdings hält sich der Bekanntheitsgrad dieses Games leider in Grenzen, was auch daran liegt, dass es nur in kleiner Stückzahl außerhalb Japans erschienen ist. Der europäische Markt hatte mit Batman Returns, Turtles in Time etc., bereits andere Vorzeigetitel, während Ninja Warriors schnell in der Versenkung verschwand und nicht viele Exemplare den Weg in die heimischen Wohnzimmer fanden. Zugegebenermaßen etwas doof an der PAL-Version ist die Zensurschere, da man es außerhalb Japans scheinbar in einigen Belangen als zu gewalttätig empfand.
Die Story des Games hat politische Hintergründe. In der Zukunft lebt die US-amerikanische Bevölkerung in Ruhe und Frieden. Alles scheint so perfekt zu sein. Doch eines Tages kommt das böse Erwachen. Ein militärischer Tyrann namens Banglar marschiert mit seinen Truppen in die USA ein und erpresst die Einwohner der Vereinigten Staaten, wodurch es ihm gelingt, der Herrscher dieser Nation zu werden. Nachdem er der Bevölkerung eine so genannte "Gehirnwäsche" verpasst hat (Die Bewohner wissen nicht mehr was um sie geschieht), liegt die US-amerikanische Gesellschaft in Ruinen. Was einst noch ein ökonomisch starkes Land war, ist jetzt ein finsteres Vermächtnis des Bösen. Doch es gibt noch Hoffnung: Einen Lichtstrahl am Horizont! Eine kleine, aber mächtige Untergrundopposition, geführt von einem Mann names Mulk, stellte eine tolle Kampagne auf die Beine, um Banglars bösem Treiben ein Ende zu bereiten. Doch leider scheiterte diese Aktion bald. Die Truppe war keine Herausforderung für Banglar und wurde schnell aus dem Verkehr gezogen. Die letzte Hoffnung für die USA sind nun drei Ninjaroboter namens Ninja, Kunoichi und Kamaitachi.
Anfangs hat man die Qual der Wahl zwischen den drei schon erwähnten Ninjaprotagonisten. Während Ninja im Vergleich zum Vorgänger deutlich muskolöser auftritt und neben seiner Muskelkraft höchstens einmal seinen Nunchaku einsetzt, ist Kunoichi, die Ninjadame im Bunde, wie gehabt mit einem zierlichen roten Anzug ausgestattet und fegt mit Kunai und Schwert die Widersacher vom Bildschirm. Kamaitachi, der sich auf dem SNES sein Debüt bei Ninja Warriors gibt, ist mit einem schwarzen Gewand und sichelähnlichen Armen unterwegs. Leider wurde bei diesem Spiel auf einen Zwei-Spieler-Modus verzichtet, so muss man sich alleine durch die Gegnerscharen durchkämpfen. Der Schwierigkeitsgrad ist für ein Beat Em' Up durchaus akzeptabel, weswegen man aber durchaus auch gut alleine zurecht kommt. Möglicherweise wäre das Spiel zu zweit sogar zu einfach geworden. Zum Einstieg ist der normale Schwierigkeitsgrad bereits gut geeignet, denn mit genügend Übung kann jeder Laie zu einem richtig guten Kämpfer aufsteigen. Der harte Schwierigkeitsgrad hat es hingegen in sich, kein Wunder bei der wachsenden Gegnerschar.
So, nun zum Spielgeschehen. Das Game bedient sich wie viele Beat 'Em Ups der Side Scrolling Perspektive.. Vergleicht man die drei Charaktere gameplaytechnisch, so wird man gewisse Unterschiede erkennen. Ninja z. B. ist der stärkste, er hat die beinhartesten Kicks drauf und vollführt auch die kräftigsten Sprünge. Kunoichi punktet mit den ausbalanciertesten Kampftechniken. Ihr prachtvolles Haar ist natürlich auch von Vorteil, man möge sich glatt ein wenig an Dixie Kong aus der Donkey Kong-Serie erinnert fühlen. Trotz ihres zierlichen Auftretens scheint es der Ninja-Kämpferin aber nicht an Stärke zu mangeln: auch sie wirft fröhlich mit Motorrädern und Kisten um sich. Kamaitachi ist wiederrum der schnellste in der Truppe. Er dreht mit seinen schnellen Moves den Spieß leicht um. Apropo Spieß: Seine Sichelarme ermöglichen es ihm, Gegner förmlich aufzuspießen. Gut möglich, dass er ein Klon von Vega (Street Fighter) ist. Am Ende eines Abschnitts wartet ein Stageboss, der durch verschiedene Taktiken natürlich weitaus schwieriger zu besiegen ist. Hat man alle 9 Stages und Bosse beendet, kehrt letztlich wieder der Frieden in den Vereinigten Staaten ein.
Grafisch ist Ninja Warriors ein wahrer Kracher. Die Grafiken sind bunt, die Effekte bombastisch und die Ninjathematik weiß zu gefallen. Gegenüber der Grafik anderer Beat 'Em Ups braucht sich Ninja Warriors rein garnicht zu verstecken. Egal ob der Charakter das Glas eines Gebäudes mit Kawumm zerbricht oder Etwas explodiert - die Animationen sorgen in jeden Fall für offene Münder. Hier werden die Stärken des SNES vollkommen ausgenutzt. Für sein Erscheinungsjahr ist die Technik einfach nur genial. In diesem Falle ziehen die meisten Genrekollegen den Kürzeren. Auch soundtechnisch wird dem Spieler eine Menge geboten. Zu jeder Situation hat das Spiel die passende Musikuntermalung, egal ob man sich durch die Horden prügelt oder einen hektischen Bosskampf erlebt. Wenn es aber bei diesem sonst vorbildlichen Spiel etwas zu kritisieren gibt, dann sind es die Soundeffekte. Auch wenn sie auf den ersten Blick abwechslungsreich erscheinen, sind einige doch recht repetitierend genutzt. Der Sound passt dennoch einigermaßen und die Musik hat einige tolle Titel zu bieten. Da die positiven Aspekte hier eindeutig überwiegen, kann man mit dem Gebotenen durchaus zufrieden sein.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 05. Oktober 2011 um 15:47 Uhr