Gourmet Sentai Bara Yarou Drucken E-Mail
Geschrieben von: part one   
Dienstag, den 02. Februar 2010 um 00:00 Uhr
Bewertungskasten: Gourmet Sentai Bara Yarou

Wer die immer wieder gleichen Sidescrollprügler satt hat und den kleinen Hunger auf das etwas andere Beat’em All verspürt, der sollte sich diesen leckeren Prügelsnack auf die Speisekarte setzen, denn nicht nur Liebe geht durch den Magen.

Das für Palianer einzig verständliche Wort im Titel des Spiels steht nicht vergebens an erster Stelle: Nach kurzer Spielzeit offenbart sich diese eigenartige Symbiose zwischen Streetfight und Food. Als Entrée steht euch einer von 3 Mitessern (mit einem Trick in verschiedener Farbgebung) zur Verfügung: Der Muskelbepackte, der Rocker, und zu meiner grossen Freude die Hauptakteurin, die Amazone. Sie verfügt über Chun Li-Charme und heisse Kurven (für alle meine Niveaugenossen: Irrtum vorbehalten, die einzigen Honigmelonen, die in einem SNES/SF-Spiel animiert sind). Habt ihr euch für einen Charakter entschieden, geht das grosse Fressen (oder Fressehauen) auch schon los.

 

Die Steuerung ist genretypisch simpel gehalten. ihr verfügt über einen Punch-, einen Sprungknopf, und einen, der nur noch geil ist. Hier offenbart sich zum ersten von tausend Malen, die noch folgen werden, dass das Spiel einfach Fruitcake ist: Der A-Button ist seit diesem Spiel zu meinem persönlichen WTF-Button avanciert: ihr vollzieht nämlich damit einen völlig sinnfreien Move: das Posing! Teasen gab es ja auch in anderen Prüglern, das hatte aber den strategischen Vorteil, dass ihr durch diese zeitbegrenzte Kampfunfähigkeit wenigstens euren Lebensbalken auffüllen konntet. Nicht so bei Gourmet: Euer Charakter räkelt sich und setzt sich in Szene, als wäre er auf dem roten Teppich. Der einzige Vorteil, der dadurch entsteht, ist jedoch nicht eurer, denn statt Blitzlichtgewitter werden euch leckere Ohrfeigen der Gegner serviert. Tastenkombinationen verhelfen euch zu diversen Moves: ihr nehmt die Bösen in den Schwitzkasten, werft sie, führt individuelle Specials aus oder rammt sie ungespitzt in den Boden, um sie als Sprungbrett zu missbrauchen.

 

Zur Story: Das Entrée (Vorspann) ist zwar in Bildern erklärt, dass man jedoch als Nicht-Japaner dadurch was von der wahrscheinlich durchgeknallten Story versteht, ist nicht der Fall. Das Dessert (Abspann) ist so leicht, dass es in Milch schwimmt und somit auch ein Flatliner in Sachen Erzählkunst. Kommen wir aber zum namengebenden Spielprinzip: Jeder erledigte Gegner lässt ein Nahrungsmittel fallen: von Tofuwürfeln bis Hummer ist alles enthalten. Die gesammelten Zutaten bringt ihr am Ende jeden Levels zu eurem hauseigenen Cyborg-Koch. Dieser zaubert für euch dann eine schmackhafte Mahlzeit. Der Verzehr bessert dann eure Statuswerte auf. Meine Theorie zur Entstehung des Spiels ist, dass sich die Programmierer im Sakesuff entschlossen, ein Game über ihre Hallus zu machen, die sie beim Verzehr diverser Pillen und Pilzchen hatten; in der Betafassung konnte man noch statt Lebensmittel genau diese Launemacher einsammeln, um sich dann vom Profi einen schönen Drogenmix zubereiten zu lassen. Dann entschied Nintendo, dass halluzinogene Ingredienzien aus pädagogischen Gründen wohl doch nicht in das Spiel gehören und sie wurden flux gegen Gemüse und Fleisch eingetauscht. Aber dies ist reine Spekulation ... .

Das Gameplay zu zweit ist einfach nur hurengeil. Die Action gerät trotz massivem Trubel nie merklich ins Stocken. Man hat sich sogar etwas Innovatives einfallen lassen, um den Singleplayer-Modus schmackhafter zu machen (und zwar so gut, dass ich mich frage, wieso diese Idee nicht auch für andere Spiele adaptiert wurde): Ab und an taucht ein komischer (dieses Adjektiv bei diesem Spiel zu nutzen ist purer Pleonasmus) Gegner auf. Wenn ihr den beseitigt, hinterlässt er ein Gerät, welches einen Doppelgänger von euch projiziert. Dieser prügelt dann fleissig mit und erleichtert euch die Arbeit (ein fader Beigeschmack entsteht, wenn ihr selbst in seinen Aktionsradius geratet).

 

Grafisch verhält sich alles nach dem kulinarischen Motto „das Auge prügelt mit“. Die Sprites sind alle angenehm gross und wunderbar animiert. Die Moves einiger Gegner bestehen aus erstaunlich vielen Frames. Um bei der Gegnerschar zu bleiben, so kann man hier von erfrischender Abwechslung reden. Die immer wieder gleichen, drögen Schergen aus den Genrekollegen könnt ihr hier lange suchen: Ein buntes Potpourri aus Droiden, Cyborgs, Biofreaks und Playboybunnies wurde hier angerichtet. Ja genau, leicht bekleidete Girlies mit Hasenöhrchen ... aber jetzt nicht verkrampfen Leute: die Erotik hält sich durchs ganze Spiel auf latentem Niveau. Das Hauptaugenmerk liegt ganz woanders: wenn ihr ab und an kleine Männchen à la Army of Darkness wie die Bekloppten rumrennen seht, geht euch das ein oder andere Lachtröpfchen in die Hose.

Einer der Obermotze, seines Zeichens Zauberer, packt euch in seinen Zylinder und verwandelt euch in einen der Gegner... ihr müsst somit für kurze Zeit als riesiger Roboterkopf oder lustiges Schaumstoffmaskottchen durch die Gegend wackeln – kein Gramm normal! Die Backgrounds halten sich schliesslich etwa so bunt, wie die Pillen, die die Programmierer wahrscheinlich bei der Arbeit schnabulierten. Die musikalische Untermalung löst nicht gerade O(h)rgasmen aus, ist jedoch stets stimmig und allenfalls besser als das Gedudel, das man bei Final Fight ertragen muss. Ausserdem wird der Soundtrack von Level zu Level besser. Etwas schwer im Magen liegen hingegen die Soundeffekte, die wohl nur Japaner geniessen können.

Fazit des Autors - part one Diese Delikatesse befindet sich preislich eher auf 5-Sterne Niveau, denn es ist ziemlich rar - zum Glück aber nicht ganz so rar wie sein genialer Bruder aus demselben Hause, der übrigens im gleichen Jahr released wurde. Vorbehaltlos würde ich eine Empfehlung nicht aussprechen. Es ist ein Spiel, das primär dadurch glänzt, unvergleichlich zu sein und es gemeistert hat, etwas zu wagen, ohne dass der gesamte Spielspaß dabei flöten geht. Es ist kein Fünfgänger, aber auch keine Currywurst. In einer Runde zu zweit sorgt es aber allemal für Kurzweil. Es wird sicherlich nicht jeden Gaumen verwöhnen, mir hat’s auf jeden Fall gut geschmeckt.
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. Februar 2010 um 15:04 Uhr