Seine Majestät König Arthur von Pendragon. Welche Legenden und Mythen ranken sich um diesen Mann? Der Zauberer Merlin. Das Schwert Exkalibur. Die Tafelrunde. Der heilige Gral! Wer wäre wohl besser geeignet, den Helden eines Videospiels zu verkörpern... Nun, genau das hat sich Capcom anno 1991 wohl auch gedacht. Eigentlich war die Idee sogar schon viel früher da. Super Ghouls 'n Ghosts ist nämlich der Nachfolger von Ghosts 'n Goblins und Ghouls 'n Ghosts, somit der 3. Teil der Reihe und außerdem deren einziger Vertreter auf dem Super Nintendo.
Allerdings sollte an dieser Stelle gesagt werden, dass Super Ghouls 'n Ghosts - vom Namen des Protagonisten mal abgesehen - mit der oben genannten Sagenkunde recht wenig gemein hat. Um ganz ehrlich zu sein hat es rein garnichts damit zu tun. Merlin? Ist doch ein seniler Greis. Arthur zaubert lieber selber! Exkalibur? Paaah!! Kann getrost im Fels vergammeln. Unser werter König verfügt schließlich über ein ganzes Waffenarsenal! Und Arthurs Ritter? Von wegen. Selbst ist der Mann! Der heilige Gr... Also gut, lassen wir das lieber mal.
Arthur spaziert also eines besonders festlichen Abends in sein Schloss um seiner blaublütigen und blauhaarigen Herzensdame Gunivere zünftig den Hof zu machen. Moment! Gunivere (..oder wie die heißt..)? Da hat sich wohl doch noch ein klassisches Element der Sage ins Spiel geschlichen. Das ist aber auch bitter nötig. Schließlich muss ja auch eine Prinzessin befreit werden. Oder warum sonst sollte sich der knuffige Bartträger auf den Weg machen? Die Angebetete wird also von einem roten, geflügelten Dämon entführt, der irgendwie auch schonmal in den anderen Teilen vorkam, sich in diesem Fall aber nach vollbrachtem Kidnapping nicht mehr blicken lässt. Lange Rede, kurzer Sinn. Nach dieser empörenden Tat macht sich Ritter Arthur natürlich sofort daran, sein Weib zu befreien. Und ehe wir uns versehen, befinden wir uns mit Arthur auf einem schaurig schönen Friedhof wieder! Wir hüpfen durch die Gegend und werfen heraneilenden Zombies Lanzen an die faulende Fontanelle. Sehr grob gesprochen ist dies auch schon der ganze Sinn des Spiels; nämlich lebendig das jeweilige Levelende zu erreichen und während dessen allerlei fiesen Horrorgestalten den Garaus zu machen.
Bereits beim Springen zeigt sich aber schon die erste Besonderheit. Denn mit profanen 0815-Hopsern gibt sich unser Arthur garnicht erst ab. Ist schließlich 'n König! Stattdessen vollbringt er lieber Doppelsprünge. Muss man zwar nicht unbedingt, ist aber meistens notwendig. Welch Dekadenz. Dieses Sprungverhalten sollte allerdings erst studiert werden. Es wird dem ungeübten Spieler nämlich reichlich merkwürdig anmuten, aus der Luft heraus erneut zu springen, und gleich zu Beginn der Grund für zahlreiche Tode sein. Apropos Tod: Lanze, Dolche, Axt, Pfeile, Fackel, Sichel oder Dreizack? Arthur scheint seine Waffenkammer wirklich leergeräumt zu haben. Tragen kann er aber immer nur eines dieser Spielzeuge. Dieser Umstand macht das Spiel nicht gerade leichter, da sich der Nutzen einer Waffe je nach Situation ändert. Die Dolche sind schnell aber schwach, die Axt stark aber langsam. Pfeile werden in einem besonderen Winkel abgeschossen, was sehr nützlich aber auch sehr umständlich sein kann. Jede Waffe hat also ihre Vor- und Nachteile. Zwar kann man generell schon sagen, dass es Stärkere und Schwächere gibt. Trotzdem ist die Balance besser als viele behaupten!
Freilig verfügt Arthur, wie es sich für einen wahren Ritter geziemt, auch über Rüstungen. Bekommt er, auf welche Weise auch immer, eins übergebraten, verliert er diese und muss fortan in gepunkteten Boxershorts rumrennen. Kassiert er einen weiteren Treffer, zerfällt er in Sekundenschnelle zu einem unförmigen Knochenhaufen und stirbt. Findet ihr die grüne Rüstung, auch Bronzerüstung genannt, dürft ihr euch über ein sehr nützliches Upgrade eurer Waffe freuen: Feuerlanze, Laserdolche oder zielsuchende Pfeile, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Kommt ihr hingegen in den Besitz der goldenen Rüstung, so könnt ihr zusätzlich noch, je nach Waffe, Magie wirken. Wie einen Drachen beschwören, Blitze oder Tornados schießen, eine Schutzaura benutzen, und, und, und... Diese Zauber sind vor allem bei größeren Gegnerscharen und Bossen nützlich. Vorausgesetzt ihr schafft es, das Goldstück bis zum Endgegner zu behalten. Ach, und hütet euch bloß vor dem Hofnarren. Begegnet ihr nämlich diesem, verwandelt er euch kurzerhand in so harmlose Wesen wie Babys, kleine Mädchen, Seehunde oder in ein anderes wehrloses Getier. Ja, das Leben eines Königs ist wahrlich nicht leicht!
Kommen wir nun aber zu jenem Aspekt, für den dieses Spiel so berühmt wie berüchtigt ist. Erwähnt man den Namen "Super Ghouls 'n Ghosts", werden mit hoher Wahrscheinlichkeit 9 von 10 Leuten als aller erstes auf den Schwierigkeitsgrad zu sprechen kommen. Ja, das Spiel ist schwer. Und das ist noch gar kein Ausdruck. Es ist wirklich schwer. Selbst auf der einfachsten Schwierigkeitsstufe. Ich erlebe sogar häufig, dass dieses Spiel als unfair hingestellt wird. In meinen Augen aber zu Unrecht. Wer glaubt, bei "Super Ghouls 'n Ghosts" partout nicht weiterkommen zu können, der hat sich vermutlich einfach noch nicht lang genug mit der Steuerung auseinandergesetzt. Diese verlangt dem Spieler zwar einiges an Eingewöhnungszeit ab, hat man sich aber erstmal mit dem Gameplay vertraut gemacht und die ersten zwei Level geschafft, kommt man wesentlich besser vorwärts. Frustrierend ist allerdings, dass man nach dem vorletzten Level zurück ins Allererste katapultiert wird, um eine dämliche neue Waffe zu finden. Mit dieser müssen sämtliche Gebiete erneut durchkämmen werden, will man dem Endboss, Sardius, gegenübertreten. Das ist künstliches Strecken des Spielumfangs.
Auch sollte ich vielleicht erwähnen, dass das Spiel keine Speicherfunktion besitzt. Passwörter? Totale Fehlanzeige! Allerdings kann man als geneigter Spieler einen ziemlich simplen Cheat eingeben und so die einzelnen Level anwählen, was ein durchaus feiner Zug von den Entwicklern ist und eine gewisse Entschädigung für den doch recht hohen Schwierigkeitsgrad darstellt. Und nun lasst mich noch ein paar abschließende Worte zur Technik loswerden. Die Grafik von Super Ghouls 'n Ghosts ist für das recht frühe Erscheinungsdatum des Spiels schlicht und einfach großartig! Satte, aber nicht zu knallige Farben tragen zu der angenehm gruseligen Atmosphäre des Spiels bei, welches sich selbst nie zu ernst nimmt. Die Gegner, obwohl nicht immer sonderlich detailreich, sind insgesamt toll animiert und die acht barock angehauchten Level wurden durchaus abwechslungsreich gestaltet. Die absolut geile Musik tut schlussendlich ihr Übriges dazu. Wirklich, da kommt ein Ohrwurm nach dem anderen! Die Musik passt einfach perfekt und die Soundeffekte setzen sogar nochmal einen drauf. Allein das Geräusch wenn Arthur stirbt, hat sich damals für immer in meinen Gehörgang gebrannt!
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 11. November 2011 um 06:29 Uhr