Battletoads in Battlemaniacs Drucken E-Mail

Geschrieben von: Battletoad   
Dienstag, den 02. Februar 2010 um 00:00 Uhr

bewertungskasten_battletoads_battletoad_ohne_sternbattletoads_1_thumbAchja das waren gute Zeiten, als noch drei mutierte, muskelbepackte Kröten durch das Land zogen, um Angst und Schrecken, äh ich meine Gerechtigkeit und vor allem Prügel für jede Menge abscheulicher Viecher zu verbreiten. Zitz, Rash und Pimple auf ihrem ewigwährenden Kampf gegen die Dark Queen und ihre Schergen. Nun, leider nicht ganz so ewigwährend, denn mit dem 1993 erschienen Battletoads in Battlemaniacs für den Super Nintendo haben wir es schon mit einem späteren Vertreter der Reihe zu tun, welche nach 1994 leider endgültig in der Versenkung verschwand. Für das SNES erschienen 2 der insgesamt 5 Battletoads-Spiele, Battlemaniacs ist dabei im Vergleich zu Battletoads & Double Dragon der repräsentativere und typischere Teil der Serie. Alles orientiert sich hier stark an dem Original-Battletoads auf dem NES, insgesamt wohl etwas zu stark.

Schon die Story, die genretypisch wieder einmal durch Banalität glänzt, ist dem NES-Vorgänger recht ähnlich, denn erneut muss eine Entführung als "Geschichte" herhalten. Doch zum Anfang: Die Firma Psicone hat eine Art Videospiel als virtuelle Realität erschaffen, das sogenannte T.R.I.P.S. 21 oder auch Total Reality Integrated Playing System. Entwickelt wurde es vom (übrigens verdammt hässlichen) Silas Volkmire. Der will nun die ganze Welt - ja auch die echte - zu seinem virtuellen Königreich machen. Unterstützung bekommt er von der Dark Queen, die den Kröten mal wieder ans Leder möchte. Bei der Testvorführung von T.R.I.P.S. kommt ein sogenanntes Psychoschwein durch den Bildschirm und entführt die Tochter des Psicone-Präsidenten in die virtuelle Welt. Zitz, der Kopf der Krötenbande, bekommt auf ebendiesen gleich noch einen deftigen Schlag und wird ebenfalls fortgeschleppt, beide werden fortan im Dark Tower gefangen gehalten. Pimple und Rash verbleiben also als Protagonisten, der eine grimmig und kraftvoll, der andere eher cool und elegant. So ziehen sie los, um ihre Freunde zu retten... nicht zu vergessen die ganze Welt. Und das Allerwichtigste: um ein paar fiesen Viechern mal ordentlich in den Allerwertesten zu treten.

battletoads_2_thumbSo findet man sich wieder in einem Lavalevel, konfrontiert mit ziemlich schlecht gelaunten Psychoschweinen und Skeletten. Die Frage "Wo geht's denn hier bitte zum Dark Tower?" stößt auf taube Ohren, also brät man den Viechern lieber erstmal ordentlich eins über, unterlegt von unverschämt guter Rockmusik. Da kommt sofort Freude auf. Geboten wird simple Prügel-Action, die aufgrund ihrer Einfachheit aber auch so viel Spaß macht. Zunächst hat man es hier noch mit einem fast reinrassigen Sidescrolling Beat 'em Up zu tun, halbwegs vergleichbar mit Final Fight, Streets of Rage und Konsorten, aber doch irgendwie recht eigenwillig. Die Anzahl der Moves ist hier eher begrenzt, für die Zwecke aber völlig ausreichend. So hat man eine Schlag-/Trittkombination, einen beidseitigen Schlag sowie Angriffe aus einem Sprung oder Sprint heraus. Wenn die Lebensenergie eines Gegners aufgebraucht ist, setzen Pimple und Rash zu einer Art Finishing Move an. Die Gliedmaßen der Toads verwandeln sich dabei in verschiedenste Dinge wie Hammer, Amboss, Axt, Stachelkugeln, Riesenhand, Riesenschuh oder einem Schuh mit Spikes. Eine absolut coole Idee, die sehr gut und witzig umgesetzt wurde. Wem das alles noch nicht reicht, der kann seinen Gegner (oder Partner!) auch einfach aufheben und in die Lava werfen. Wo wir schon dabei sind, nach Möglichkeit sollte Battlemaniacs unbedingt mal zu zweit gespielt werden. Zumindest der Anfang des Spiels macht so noch mal bedeutend mehr Spaß. Gerade den "2 Player A"-Modus, in dem man sich gegenseitig verletzen kann, sollte man mal antesten. So wird man kaum weit voranzukommen, aber einige Prügelszenen werden dadurch noch chaotischer und besser. Doch nicht nur als Spieler kann man sich gegenseitig verletzen, denn jetzt kommt die KI ins Spiel, die einfach grandios zur Unterhaltung beiträgt. Das I steht hierbei wohl eher für Instinkt als für Intelligenz. Sobald ein Skelett aus Versehen seinen Kollegen erwischt, tragen diese beiden fortan ein Duell auf Leben und Tod aus, während der Spieler sich einfach zurücklehnen und das Schauspiel genießen kann, wahlweise auch mit Lachanfällen. Ähnlich genial muten Skelette an, welche sich beim Angriff versehentlich in einen Abgrund stürzen. Insgesamt also nicht allzu helle, aber definitiv unterhaltsam. Klappt leider bei den Psychoschweinen nicht so gut. Das Grunzvieh hat anscheinend mehr Grips.

battletoads_3_thumbSo prügelt man sich also durch die Gegnerhorden, bemerkt aber bereits in Level 1 die ansteigende Zahl an sonstigen Hindernissen. Abbrennende Brücken, sich öffnende Abgründe und versinkende Plattformen wollen den Battletoads ebenfalls nichts Gutes und kosten im Gegensatz zu Schlägen gleich ein gesamtes Leben. Da ist man bereits auf Auswendigkenntnisse angewiesen, die ersten Versuche können recht frustrierend sein. Davon sollte man sich jedoch nicht entmutigen lassen. Schon in Level 2 wird einem dann die enorme Abwechslung des Spiels bewusst. Auch hier verprügeln unsere schleimigen Freunde haufenweise Feinde, allerdings läuft man nicht in isometrischer Perspektive von links nach rechts, sondern bewegt sich auf einem Schwebeboard in reinem 2D von oben nach unten. Neben den Gegnern gibt es wieder jede Menge Hindernisse zu überwinden. Nach einem sehr gelungenen Bonuslevel folgt auch schon die berüchtigte 3. Stage im Turbo Tunnel. Hier ist ganz plötzlich Schluss mit Beat 'em Up. Gegner gibt es von hier an nur noch ganz vereinzelt und fortan gilt es, verschiedenste Hindernisse und Fallen zu überwinden, welche meistens ein ganzes Leben kosten. Ebenso plötzlich trennt sich in Level 3 die Spreu vom Weizen, der verzweifelt aufgebende Zocker vom motiviert dranbleibenden, der normalsterbliche Lurch von der heldenhaften Kröte. Dieser Level ist einer der drastischsten Anstiege im Schwierigkeitsgrad, die ich je erlebt habe. Dem Spieler wird nun alles abverlangt, ständige Konzentration, schnelle Reflexe, präzises Timing und ein gutes Gedächtnis. Auch ein gut erhaltenes Steuerkreuz ist absolut von Nöten. So oder so wird man für den Turbo Tunnel viele Versuche brauchen, denn ohne genaue Kenntnisse des Levels rast man zwangsläufig früher oder später in die Wände hinein. Auswendiglernen bitter nötig! Nichtsdestotrotz ist dieser Level für mich der Höhepunkt von Battlemaniacs. Er ist perfekt durchdesignt, noch dazu treiben die hohe Geschwindigkeit und das ständige Gefühl der Bedrängnis das Adrenalin nur so in die Höhe. Deswegen macht dieser Level einfach immer und immer wieder immensen Spaß. Wer hier dranbleibt und diesen Knackpunkt von einem Level überwindet, könnte belohnt werden, denn danach wird es wieder etwas einfacher.

battletoads_4_thumbAuch im weiteren Spielverlauf wird Abwechslung ganz groß geschrieben. So reitet man auf und klettert an Schlangen quer durch einen mit Spikes gespickten Level, flüchtet auf einer Art Achterbahn vor einem blutdurstigen Verfolger und versucht, den Dark Tower schneller herunterzulaufen als die "Eliteratte" der Dark Queen. Die Leveldesigns überzeugen dabei nachwievor, die Geschwindigkeit bleibt größtenteils hoch. Wer es durch das Spiel schafft und schlussendlich auch die Dark Queen bezwingt, wird sogar mit einer Endsequenz belohnt, welche dem schön animierten Intro beinahe das Wasser reichen kann. Durchzocken lohnt sich also, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Spielen. Es gibt sogar zwei verschiedene Enden, bei ihnen unterscheidet sich jedoch lediglich der abschließende Text des Abspanns.

Das Spiel kann also voll und ganz überzeugen, was das Gameplay angeht, ähnlich sieht das für die audiovisuelle Seite aus. Grafisch nutzt das Spiel das Potential des SNES gut aus, ohne wirkliche Maßstäbe zu setzen. Die Hintergründe sind größtenteils recht detailliert, Parallax-Scrolling wurde gut genutzt. Lediglich für Level 2 und 4 hätte ich mir im Hintergrund etwas mehr Detail und/oder Bewegung gewünscht. Die Sprites sind groß und detailliert, was aber nicht dazu führt, dass die Übersicht durch zu kleinen Bildschirmausschnitt verloren geht. Wo Battletoads in Battlemaniacs voll punkten kann, sind die Animationen der Helden. Besonders die Finishing Moves sind äußerst nett anzusehen. Beinahe geschlagen wird das noch von den Skeletten, deren Kopf bei einem Treffer um die eigene Achse rotiert, was öfter für ein dickes Grinsen sorgt. Ähnlich witzig sind die Angstanimation der Battletoads vor einem Boss sowie die Toad-Pfannkuchen, nachdem man von besonders fetten Schweinen plattgedrückt wurde (was in der Arcade-Version von Battletoads gleich mit einem feiernden "Stompin' Time!" unterlegt worden wäre). Für aufgerissene Münder sorgt der Parkettboden in den Bonuslevels, dieser scrollt in erstaunlich weichem Pseudo-3D vorüber und bietet einen Spiegeleffekt, der in dieser Qualität sonst wohl kaum jemals auf dem SNES zu sehen war. Da wurde ganze Arbeit geleistet. Ebenso wie die Grafik kann auch die Musik überzeugen. Da bekommt man feinste Gitarrenriffs auf die Ohren, die für gute Laune sorgen und den Spielspaß nochmal beträchtlich aufwerten. Der Klang von E-Gitarre und Schlagzeug wurde gut hinbekommen. Besonders die Musik des ersten Bonuslevels bleibt noch ziemlich lange im Ohr hängen. In Level 4 und 5 lässt der Soundtrack leider etwas nach, ansonsten aber auch hier Daumen hoch! Von den Soundeffekten stechen vor allem die Prügelgeräusche hervor, die etwas an Bud-Spencer-Filme erinnern.

battletoads_5_thumbZeit, sich den weniger erfreulichen Dingen an Battletoads in Battlemaniacs zu widmen. Was man den Entwicklern in grobem Maße vorwerfen muss, ist fehlende Originalität. Jedes einzelne der 6 Levels basiert auf einem Level vom Battletoads-Original. Das Gameplay ist somit im Prinzip dasselbe in aufgewärmter Form. Zum Glück wurden immerhin teils beträchtliche Verbesserungen erreicht. Die Prügel-Action ist wesentlich ausgereifter und macht einfach viel mehr Spaß. Ein weiteres Beispiel wäre Level 5, wo man nun nicht nur am Rollercoaster entlangfährt, sondern sich nun auch vor Hindernissen ducken und über Abgründe springen muss. Sind alles sinnvolle und gelungene Erweiterungen, aber eben nicht mehr. Da ist es schon schade, dass außer den Bonuslevels nichts komplett Neues dazugekommen ist. Ein Kritikpunkt, über den man sicherlich streiten kann, ist die Länge des Spiels. Man könnte sagen, bei dem Schwierigkeitsgrad sind 6 Levels absolut ausreichend. Andererseits sehe ich mir Battletoads auf dem NES an, das sage und schreibe doppelt so lang ist und auf diese Art und Weise auch richtig gut funktioniert hat, trotz der Schwierigkeit. Da finde ich Battlemaniacs doch ein wenig dünn. Mager sind auch die Bosskämpfe, mal ehrlich, ganze zwei Bosse? Das kann einfach nicht sein, noch dazu wo ich sie nichtmal als besonders gelungen bezeichnen kann. Das steinige Schwein ist einfach nur plump und die Dark Queen hat im Prinzip nur eine Attacke, welche sie in verschiedenen Richtungen abschießt. Nicht dass die dunkle Dame zu einfach wäre, aber ich hätte mir da irgendwie etwas mehr erhofft. Was ist überhaupt aus den Bossgegnern geworden, die die Battletoads-Reihe vom Anfang bis zum Ende geprägt haben: der Stier General Slaughter, die besonders große und fette Ratte Big Blag und der Riesenmutant Robo Manus mit seiner dicken Wumme. Nicht ein einziger davon hat es ins Spiel geschafft. Unentschuldbar!! Auch der für die Story entscheidende Silas Volkmire bekam keinen Bosskampf spendiert, sondern lediglich so eine Art Minispiel. Wurde das Spiel eventuell einfach nicht fertig? Beim Durchstöbern der Anleitung bestärkt sich dieser Eindruck enorm, denn da sind so einige Sachen beschrieben und abgebildet, die man im Spiel leider vergeblich sucht. Da wären z.B. einige Gegnertypen wie Ratten auf Raketen und Schweine mit Äxten. Laut Anleitung soll man auch in der Lage sein, Gegenstände als Waffen zu benutzen. Eine Zeichnung von einem Battletoad mit Axt bestärkt das. Warum sind also nirgendwo in dem Spiel (außer in Rashs Fatality-Animation) verdammte Äxte zu finden? Ihr Schweine! Also... nein nicht ihr Psychoschweine, sondern ihr Leute von Rare. So nun aber genug gemeckert.

Fazit des Autors - battletoadDer Mangel an Originalität ist DIE Schwäche des Spiels, tut dem Spielspaß nichtsdestotrotz kaum einen Abbruch. Hier gilt wohl, was bewährt ist, bleibt gut. Battletoads in Battlemaniacs erweist sich als ein gelungenes, abwechslungsreiches Spiel mit Elementen aus Beat 'em Up, Jump 'n' Run und Geschicklichkeit. Wer mit wenigstens einem dieser Genres etwas anfangen kann und schnelle Reflexe sowie den Willen zum Auswendiglernen vieler Passagen mitbringt, der ist hier gut aufgehoben. Wer das nicht tut, kann zumindest immer noch enormen Spaß in den ersten zwei Levels haben, gerade zu zweit. Für Krötenneulinge ist Battlemaniacs womöglich der perfekte Einstieg, da es leicht zu bekommen ist und so ziemlich alles bietet, wofür Battletoads steht, verbunden mit noch halbwegs fairem Schwierigkeitsgrad. Für mich als hartgesottenen Battletoads-Fan steht das Spiel aber ein bisschen zwischen den Fronten. Das NES-Original bietet bei ähnlichem Inhalt schlicht wesentlich mehr. Die Arcade-Version von Battletoads setzte dann im Prügel- und Humorbereich noch ganz andere Maßstäbe.

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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 02. Dezember 2010 um 04:30 Uhr