Magic Sword Drucken E-Mail

Geschrieben von: part one   
Dienstag, den 02. Februar 2010 um 00:00 Uhr

bewertungskasten_Magic_Sword_ohne_SternIm schier endlosen Dschungel der uninspirierten Videospiele schien es kaum Hoffnung zu geben. Doch dann hat ein Spiel das scheinbar Unmögliche geschafft: der ganzen Uninspiriertheit die Krone aufzusetzen! Zur Story zitiere ich am besten die Rückseite der OVP: Hoch über Dockmar Keep signalisiert der blutrote Himmel die Rückkehr eines alten Bösewichtes – der Schwarze Orb ist wieder erwacht! Terror erfüllt das Land, als schreckliche Trolle fürchterliche Spektren und gigantische ... HALT! Genau hier haben wir die erste dreiste Lüge! Im gesamten Spiel kann man nichts in Verbindung mit dem Wort gigantisch bringen. Angefangen von den etwa pixelwinzigen Sprites, über die Atmosphäre hin zum Gameplay. Viele Attribute fallen einem dazu spontan ein ... sehr viele - zumeist aus dem Fäkalvokabular - jedoch „gigantisch“ ist definitiv nicht dabei!

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Ihr steuert einen kühnen mittelalterlichen Helden, der sich durch 50 repetitive und nervtötende Stockwerke von winzigen, schlecht gezeichneten und unbedrohlich anmutenden Fantasiewesen kämpfen muss. Ihr habt richtig gelesen: alleine! Denn ganz im Gegensatz zur passablen Arcade-Version dürft ihr diese Reise nicht zu zweit antreten. Capcom wollte wohl das Risiko vermeiden, dass hier Spielspass aufkommt, denn das würde das gesamte Spielkonzept irritieren. Nichtsdestotrotz seid ihr nicht ganz ohne Begleitung: ein nerviger Sidekick begleitet euch auf Schritt und Tritt, nachdem ihr ihn aus seiner Zelle befreit habt. Da ihr alle 2 Schritte auf eine neue Zelle trefft, in der ein anderer Diener mit anderen „Fähigkeiten“ wartet, muss dies wohl der Zenit der Abwechslung sein, die ihr von diesem Spiel zu erwarten habt. Er attackiert im selben Moment wie ihr und bekam sogar seinen eigenen Energiebalken spendiert.

 

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Euer Protagonist erhält im Verlauf des „Abenteuers“ unterschiedliche Schwerter, deren Unterschied in der Effektivität jedoch eher zweifelhaft ist. Die Steuerung besteht aus dem Schwerthieb, Springen und einer Smartbomb, die euch Energie kostet. Bei jedem Treppenstieg kriegt ihr die bescheidenen Gedanken des Protagonisten zu lesen, beispielsweise: „If we capture it, we can destroy it with the sword“. Dieser rhetorische Durchfall ist nicht gerade zuträglich für eure sich von Minute zu Minute dezimierende Spielmotivation. Trolle und Drachen sind hier nicht eurer grösster Gegner: Sich immer wiederholende, farblose Stages kämpfen um die Krone des Totschlagens eures Durchhaltewillens.

Ich war gezwungen, während meiner Zwangsspielphase zur Erstellung dieses Reviews mehrere Pausen einzulegen, um wieder neue Kraft und Willen zu tanken und musste schlussendlich doch die Waffen strecken, bevor ich ganz oben am Turm ankam. Wenn ich es nicht nachgelesen hätte, hätte ich wohl nie rausgefunden, wie viele Stockwerke die Burg hat. Das Spiel erledigt den Job des Gemüt-Zermürbens so bravourös, dass ich zwischen dem 30. und 40. Stock das Modul in eine Ecke pfefferte. Das Spiel ist so witzlos und trist, dass es euch innerhalb weniger Minuten die beste Laune zerschmettern kann.

 

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Grafisch hält es sich eng an seinen spielerischen Gehalt: gnadenloser Mangel an visuellen Attraktionen bestimmen den Grundtenor des Spiels. Die winzigen Sprites verfügen selten über mehr als 2 Animationsphasen. Die biederen Backgrounds werden gekrönt durch eine miserable Tiefendarstellung. Es wird in vereinzelten Levels auf 2 (!) bescheidenen Parallaxebenen gescrollt – das ist dann aber auch das höchste der Gefühle. Meistens ziehen die Hintergründe in bester NES-Manier an euch vorbei. Ausserdem ist Magic Sword ein Innovator: Wer dachte, Bullett-Time-Effekte feierten erst bei Max Payne Premiere, irrt sich: sobald sich mehr als 4 Sprites auf dem Screen tummeln, verabschiedet sich die Spielgeschwindigkeit und es ruckelt sich nur noch Frame für Frame weiter. Der Sound ist an dem Debakel noch das Beste. Anfangs zumindest. Denn spätestens wenn man merkt, dass auch der sich dem Prinzip der Wiederholung unterordnet, wird auch hiermit das Gemüt sichtlich belastet. Den Soundeffekten mehr als diese Zeile zu widmen wäre reines Gönnertum.

Fazit des Autors - part one Das Spiel ist eine echte Herausforderung: nicht wegen des Schwierigkeitsgrades, sondern der Aufgabe, 50 mehr oder weniger identische Level lang den Kampf gegen die blanke Langeweile zu führen. Wer nie wahrhaben wollte, dass nicht alles glänzt, was Capcom ist, verschmutze seinen Modulschacht mit diesem traurigen Beweis.

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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 02. Dezember 2010 um 04:10 Uhr