Er ist rund, er ist rosa und er ist ein Staubsauger! Der wohl knuffigste Charakter Nintendos gibt sich die Ehre. Es ist eine Sache, ein Spiel niedlich zu gestalten - und eine ganz andere, das Ganze zum Verrücktwerden niedlich zu machen. Ja, es gibt einfach Spiele, da spürt man sie - die Liebe. Ist ganz ähnlich wie im richtigen Leben. Und bei Kirby's Dreamland 3 weiß man gleich im ersten Augenblick, dass dahinter Entwickler standen, für die (zumindest in mancher Hinsicht) nicht der große kommerzielle Erfolg oder die technisch aufregendste Grafik im Vordergrund standen.
Denn Kirby's Dreamland 3 war wirtschaftlich betrachtet zu seiner Zeit sowieso gar nicht mehr wirklich konkurrenzfähig. Das N64 hatte den Markt längst erobert, entsprechen unpopulär ist dieses Spiel daher heute noch. Gewiss müssen sich HAL Labs auch die Frage gefallen lassen, inwieweit es an das vergötterte Kirby Super Star heranreicht. Wäre ein Vergleich auf hohem Niveau. Eines jedoch sieht man diesem Spiel auf den ersten Blick an: Das strebsame Bemühen der Entwickler, den Fans wieder ein richtig gutes Kirby-Game zu schenken.
Zumindest in einem Punkt ist das aber kläglich gescheitert: Kirby's Dreamland 3 hat's - vermutlich des schlechten Timings wegen - nicht mehr nach Europa geschafft, entsprechen gesucht und teuer ist es folglich leider. Die Amerikaner jedoch bekamen all das, was man bei Kirby zu bekommen erwarten darf. Süßes, und zwar bis man Diabetis hat. Daran kann auch die unheilvolle Story nichts ändern, der zufolge ein weiteres Mal die finstere Macht namens "Dark Matter" König Dedede und viele weitere Freunde Kirbys zu seinen Marionetten gemacht hat. Folglich bleibt unserem rosa Edelknödel nichts anderes übrig, als sich durch fünf Welten zu schlagen und diese durch ein Duell von ihrem Zauber zu befreien. Zu Hilfe kommen ihm dabei ein blauer Blob namens Cablooey und einige Tierfreunde, die teilweise auch noch aus Kirby's Dreamland 2 bekannt sind, unter anderen Rickie der Hamster und Nago die Katze. Während die tierischen Mitstreiter als Reittiere mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen genutzt werden können, besitzt Cablooey nahezu dieselben Fähigkeiten wie Kirby und kann wahlweise von einem zweiten Spieler oder vom Computer übernommen werden.
Spielerisch erwarten uns in diesem Kirby-Titel auch keine großen Überraschungen, Kirby saugt weiterhin Gegner auf, übernimmt ihre Spezialfertigkeiten und kann sich wie ein Luftballon aufpusten, um auf diese Weise durch die Luft zu fliegen. Wie auch schon in Kirby's Fun Pak bringt der Co-op Modus eine Menge Spaß und fesselt für Stunden an den Controller. Der spielerische Tiefgang wird durch diverse Puzzles mit den Fertigkeiten bereichert und je nach tierischem Mitstreiter variieren die Attacken zusätzlich noch. Kombiniert man z.B. die Elektroattacke mit Kine dem Fisch, lassen sich dunkle Räume erhellen und Geheimgänge werden sichtbar. Ein neues Element weist der dritte Teil der Dreamland-Triologie allerdings schon auf: Jede Stage hat eine eigene Subquest zu bieten. Macht man die Bewohner der jeweiligen Anspielpunkte glücklich, so erscheint ein Herzstern. Diese schalten nach abgeschlossener Sammlung den Weg zu Dark Matter frei. Die dazugehörigen Aufgaben sind erfreulich abwechslungsreich, mal gilt es, ein spezielles Tier an den Levelausgang zu bringen, dann darf ein Puzzle gelöst oder Gegenstände im Level eingesammelt werden.
Unter den Questcharakteren tauchen übrigens auch einige Cameos aus anderen Nintendo-Spielen auf, zum Beispiel die Space-Kopfgeldjägerin Samus Aran oder Robo, was den Titel auf humorvolle Art und Weise mit seinem Publisher verbindet. Insgesamt bietet Kirbys Dreamland 3 24 Level, 6 Endgegner, 6 tierische Freunde und 8 Fähigkeiten. Diese Zahlen mögen ernüchternd klingen, doch alleine durch die Tatsache, dass einige der Subquests wirklich mehr als ein oder zwei Anläufe benötigen, fällt die Spielzeit deutlich länger aus, als man denkt. Ausserdem sollte man die Fertigkeiten mal mit den Tieren multiplizieren, denn jeder der wilden Gefährten interpretiert die Fertigkeiten deutlich unterschiedlich. Für Komplexität ist also auch gesorgt. Die Level sind recht Abwechslungsreich gestaltet, mal schlägt man sich durch ein verwirrendes Labyrinth um sich im nächsten Moment einem kniffligen Platforming-Abschnitt zu stellen. Das Kirby-Klische mit dem einfachen Schwierigkeitsgrad zieht hier nur am Anfang, spätere Level können gut und gerne mal deutlich an der Lebensanzeige nagen, die sich nur durch das Sammeln von Sternen oder extrem raren 1-Ups auffüllen lässt.
Optisch ist der Titel wirklich ein Augenschmaus, der Sa-1 Chip macht zahlreiche große und detaillierte Sprites möglich und die süßen Animationen wirken schlichtweg butterweich. Der Grafikstil ist sehr eigen innerhalb der Serie und taucht so nur noch ein weiteres mal in Kirby No KiraKira Kids auf. Alles sieht aus, als wäre es mit bunten Pastellkreiden gemalt und versprüht seinen ganz eigenen, kindlichen Charme. So nimmt der Endgegner der vierten Welt den Stil des Spiels scheinbar besonders ernst und malt eure Wiedersacher einfach auf eine magische Leinwand. Musikalisch schwingt wieder Jun Ishikawa den Taktstock und bringt neben ein paar schwungvollen Remixen alter Titel auch einige neue Kompositionen in die Serie. Anspielpunkte wie "Sand Canyon" und "Grass Land" brennen sich dermassen in die Gehörgänge ein, dass man sie immer und immer wieder hören möchte. Auch die Soundeffekte passen perfekt zur niedlichen Grundstimmung des Spieles. Wird es hingegen mal ernst, so erklingen durchaus auch mal ernstere Töne aus den Boxen um die Action gut voranzutreiben. "Detailverliebt" ist wohl das beste Wort um die Technik dieses Titels allgemein zu umschreiben.
Unter Kirby-Fans gilt dieser Teil als allgemein umstritten. Meiner Meinung nach ist Kirby's Dreamland 3 eine perfekte Fortsetzung. Zu den klassischen Dreamland Teilen allerdings. Statt besonders innovativ wie Kirby's Funpak zu sein, bedient sich Dreamland 3 nämlich glücklicherweise seiner zuvor auf Game Boy verlaufenen Serie und baut die typischen Features aus. Mehr Fertigkeiten und neue Tiere sowie Quests im 2-stelligen Bereich statt fünf Regenbogentropfen. Der andere Grafikstil dürfte die Abtrennung der Urserie zu anderen Kirby-Titeln nochmal unterstreichen. Ich kann für meinen Teil sagen, dass ich den zweiten Teil auf Game Boy liebe und den SNES-Teil seine Traditionsbewusstheit hoch anrechne. Wer darüber klagt, dass es kaum abwechslungsreiche Modi gibt und keine wirkliche Herausforderung gestellt wird, seien die zahlreichen Quests und der nach dem letzten Endgegner freigeschaltete Bossrun herzlich ans Herz gelegt. Hier zeigt das Spiel wahre Herausforderungen auf, wenn man wirklich den 100% Spielstand erreichen möchte. Ein echter Kirbyfan kann in diesem Spiel wirklich seinen Meister finden, man muss es einfach mal erlebt haben!
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 04. Oktober 2011 um 13:24 Uhr