Es war einmal ein Regenwurm, der hieß Jim. Eines Tages, als Jim jenen Dingen nachging, denen Regenwürmer halt so nachgehen, fällt plötzlich ein Raumanzug vom Himmel. Neugierig wie er ist, schlüpfte Jim in diesen hinein und erlange dadurch übermenschliche Kräfte. Seither probierte er, der Prinzessin „Wie-heißt-sie-noch?“ den Hof zu machen. In Teil 1 dieses skurilen Jump'n'Runs gelang ihm das schließlich. 1996 brachte Virgin Interactive jedoch den von Shiny Entertainment entwickelten zweiten Teil raus. Is ja kar, dass das traute Glück nicht halten kann...
Hübsche Prinzessinen haben nämlich leider die unangenehme Angewohnheit, gelegentlich mal von Oberschurken entführt zu werden. Mit einem Raketenrucksack bestückt stürzt also „Psy-Crow“ vom Himmel, schnappt sich ihre Majestät und düst ab nach „Lost-Vegas“, wo sich, einer rechtlichen Grauzone sei Dank, geneigte Kidnapper für kleines Geld 24 Stunden am Tag lang GEGEN den Willen der jeweils Erwählten mit selbiger trauen lassen können. Jemand muss die Dame retten, und ich kann vorweg verraten: Es wird nicht Mario sein.
Der erste Teil gefiel mir nicht gerade besonders, wobei bei anderen Zockern gerade bei dem Namen Earthworm Jim hohe Begeisterung aufkommt. Ich erhoffte mir vom zweiten Teil eine deutliche Besserung, doch leider musste ich enttäuscht feststellen, dass auch hier wieder genau die gleichen Fehler gemacht wurden wie beim Vorgänger. Dieses Spiel ist im großen und ganzen ein Jump'n'Run, hat aber sehr viele Action-Elemente. Kämpfen steht stark im Fokus und so hat Jim eine vielzahl von abgespacten Wummen, mit denen er seine Feinde beballern kann. Bevor ich aber näher auf das Gameplay eingehe, muss gesagt werden: Earthworm Jim 2 ist sehr schwer. Nicht unbedingt unfair, aber so schwer, dass man unverhältnismäßig viel Übung braucht. Liegen tut das an der Steuerung: Earthworm Jim 2 verlangt dem Spieler dauernd sehr präzises Timing ab, die Controls sind aber recht ungenau und man hat Schwierigkeiten, Jim vernünftig zu steuern (er "rutscht", Kollisionsabfrage unkalkulierbar, etc). Gerade bei Jump'n'Runs ist die Steuerung aber das A und O. Ist ein Spiel bloß wegen der Steuerung zu schwer, kann man es meiner Meinung nach nicht als sehr gut bezeichnen.
Abgesehen davon ist Earthworm Jim 2 aber ein sehr vielfältiges und originelles Game. Beim Leveldesign haben sich die Jungs von Shiny Entertainment echt gedanken gemacht. Die einzelnen Level spielen sind recht unterschiedlich. Am meisten sind Run'n'Gun-Passagen vertreten, ein anderes mal jedoch liefern wir uns mit Psy-Crow ein Wettrennen, müssen mit einem riesigen Marshmallow Hundebabies auffangen oder fliegen wie in einem Shoot'em'Up durch den Himmel und ballern uns durch die feindlichen reihen. Sogar ein Quiz gilt es zu bestreiten. Da ist spielerisch also wirklich sehr viel Abwechslung in diesem Game! Jims Wumme lässt sich im Übrigen mit einigen unterschiedlichen Schusstypen upgraden; da gibt es Laser- oder Plasmapatronen, zielsuchende Raketen und anderes Gedöhns. Nach wie vor kann Jim auch seinen Kopf als Peitsche benutzen. Eine lustige Neuerung ist auch „Snot“, ein Schleimwesen das offenbar mit Jim befreundet ist und ihm je nach Situation als Greifhaken (zum Überqueren großer Abgründe) oder als Fallschirm dienen kann. Skurile (z.T. sehr schwere) Bosse gibt es auch, ebenso wie eine große Anzahl Secrets und ein paar Bonuslevel.
Technisch gesehen kann man sich nicht beklagen. Earthworm Jim hat, wie sein Vorgänger, einen ganz eigenen grafischen Stil. Das Spiel ist eben auf Witzig getrimmt und bekommt dies auch sehr gut hin. Da sind wirklich viele Gimmicks die einen zum Lachen bringen, allem voran wären da die Animationen zu nennen. Jims Sprite ist verhältnismäßig riesig und das gleiche gilt oft für seine Gegner, was zu SNES Zeiten keine Selbstverständlichkeit war. Die Hintergründe sind detailreich - und viel wichtiger - scrollen wie weiche Butter. Aber wie gesagt, das Spiel kam 1996 raus. Da muss man eine gute Grafik auch erwarten dürfen. Über den Sound kann man auch nicht schimpfen: Musik ist ja bekanntlich Geschmacksache und ich muss zugeben, manche Lieder sind echt fetzig. Ganz originell, wenngleich etwas willkürlich, mutet da beispielsweise das Level „Puppy Love“ an, in dem permanent eine italienische Tarantella düdelt (ein Süd-Italienischer Volkstanz). Nennenswert sind aber vor allem die Soundeffekte, oder genauer, die Sprachausgabe. Diese klingt vergleichsweise klar, und wenn Jim mal wieder sein typisches „Groovy“ loslässt, fühlt man sich als Fan des ersten Teils gleich heimisch.
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 17. August 2011 um 09:54 Uhr