Im Hause Addams ist mal wieder der Teufel los. Ihr seid Gomez. Eines Tages kommt ihr nach Hause und stellt fest, dass die gesamte Familie entführt wurde. Ferner wurde das Anwesen von Monstern überrannt (will sagen, noch mehr Monster als sonst). Für die Addams Family müsste sich das alles ja "normalerweise" nach wunderbaren Nachrichten anhören. Für den Entwickler Ocean hingegen ist es schlicht ein pragmatischer Grund, das alte Gemäuer der Gruselsippe in ein Jump'n'Run zu verwandeln und den Spieler auf eine Rettungsaktion zu schicken.
Nach dem Einschalten wird erstmal ein schönes Intro mit dem eiskalten Händchen gezeigt. Lustig. Doch der gute Ersteindruck ist schnell wieder verflogen wenn man die Sprache auswählen muss, denn zur Auswahl stehen English, Francais und Deutsche! Ja wirklich, da steht "Deutsche"! Im Titelbildschirm wartet gleich der nächste Fehler, denn man hat die Auswahl zwischen „Passwort“ und "Speil beginnen". Aber auch der Rest des Games ist voller Fehler wie "du hast much gerettet" oder "deine Herzstarke steight". Einfach unglaublich!
Ihr müsst also in der Villa Addams verschiedene Levels durchlaufen und eure Familienmitglieder wiederfinden. Die Villa sowie die umliegenden Landstriche dienen euch dabei quasi als Oberwelt, von der aus ihr die einzelnen Level anwählen könnt. Die Steuerung ist natürlich denkbar simpel, da es sich um ein Jump'n'Run handelt. Ihr lauft nach links und rechts, stellt euch unzähligen Sprungpassagen und besiegt eure Gegner, indem ihr ihnen beherzt auf den Kopf hüpft. Es gibt auch ein paar Upgrades, wie beispielsweise einen Degen oder Golfbälle, mit denen ihr eure Feinde beschießen könnt. Berühren euch diese, so verliert ihr diese Fähigkeiten allerdings wieder. Um es kurz zu machen: Addams Family ist ein Mario World-Klon wie er im Buche steht. Auch ein paar Bosse wollen bekämpft werden. Gelingt euch der Sieg über diese, so befreit ihr dadurch ein bestimmtes Familienmitglied, erhaltet einen Herzcontainer (derer gibt es insgesamt fünf) für eure Lebensenergie und bekommt ein Passwort spendiert. Zwar ist Addams Family lange nicht so umfangreich wie sein Mario World, aber die einzelnen Level sind ziemlich lang und in bequem zu absolvierende Unterabschnitte gegliedert.
Das Leveldesign wirkt insgesamt gut durchdacht. So gibt es vergleichsweise viele Secrets zu entdecken und die Räume der Villa warten mit vielen kniffligen Tücken auf. Hier wimmelt es geradezu vor lauter Fallen und Abgründen! Es wurden zwar nicht die ganz großen Innovationen rausgehauen; vieles ist sogar direkt bei Mario abgekupfert (wie etwa riesige Kanonen oder diese Feuerspiralen). Aber hey, manch ein Lizenzspiel macht sich nicht einmal die Mühe, intelligent zu klauen. Zudem bleibt Addams Family stets fair, unschaffbare Sprungpassagen oder übermächtige Gegner gibt es hier nicht. Insgesamt wäre theoretisch also genügend Potential für ein überdurchschnittliches Spiel vorhanden gewesen. Leider gibt es aber trotzdem ausgiebige Frustmomente. Für diese sorgt Gomez selbst, denn er reagiert ziemlich unpräzise auf die Steuerung. Er bewegt sich sehr schnell, was das korrekte Timing der Sprünge erschwert. Vor allem aber bewegt er sich äußerst rutschig über den Boden. Kommt er nach einem Sprung knapp vor einer Grube auf, so passiert es nicht selten, dass man unbeabsichtigt in diese hineinschlittert. Meistert man dies nicht rasch, wird Addams Family schnell unnötig schwer.
Die Technik ist für ein SNES Spiel von 1992 (in diesem Jahr kam Addams Family auf den Markt) durchaus angemessen. Grafisch sticht das Spiel nicht sonderlich aus der Masse hervor, insbesondere die Hintergründe sind eher detailarm gestaltet. Das konnte beispielsweise ein Psycho Dream besser, welches im selben Jahr erschien. Die Sprites sind comichaft und verfügen über ein paar ulkige Animationen, aber auch hier gibt es bessere Beispiele (z.B. Tiny Toons: Busts Loose). Offenbar setzte man im Hause Ocean bei der Grafik einfach falsche Prioritäten; geht man beispielsweise in die Bibliothek, so hat beinahe jedes einzelne Schriftstück einen individuellen Titel auf den Buchrücken stehen. Nur wer hat beim hektischen Hüpfen schon einen Blick für sowas?! Da hätte man vielleicht lieber die Zeit für ein hübscheres Gesamtpaket genutzt. Überdurchschnittlich ist allerdings der Sound des Spiels. Dieser ist "schaurig schön" und passt zu jeder Zeit perfekt zum Spielgeschehen. Es wird nicht lange dauern und ihr habt einen Ohrwurm, der euch nicht mehr so schnell verlässt. Ohne den Soundtrack hätte das Spiel einiges an Atmosphäre (und in diesem Review an Punkten) verloren.
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 10. August 2011 um 17:51 Uhr