Die Schlümpfe Drucken E-Mail

Geschrieben von: Amadeus3000   
Mittwoch, den 03. August 2011 um 03:35 Uhr

bewertungskasten_die_schluempfe_ohne_sternamadeus3000smurfsthee001png_thumbWer in den Achtziger bzw. Anfang der Neunziger Jahre Kind war, kam wohl nicht um sie herum: Die Schlümpfe. Diese kleinen blauen Gestalten eroberten mit einer Fernsehserie, Schleich-Figuren und ausgezeichneten Comicalben so manches Kinderzimmer. Und nach einem eigenen Themenpark war es nur eine Frage der Zeit, bis sie auch auf den damaligen Konsolen ihr Unwesen trieben. Die aufwendigste Version ist wohl der vorliegende SNES-Teil, im Jahr 1994 von Infogrames entwickelt, die für viele Umsetzungen von Comicserien verantwortlich sind.

Peyos Geschöpfe geben sich die Ehre in einem reinrassigen Jump ’n’ Run. Das Spiel bietet die übliche Hüpfkost und der Plot ist dementsprechend mager: Gurgelhals bzw. Gargamel hat einige Schlümpfe entführt. Der Spieler darf nun (hauptsächlich als Muskelschlumpf) zu ihrer Rettung eilen. Dabei durchstreift man all die liebgewonnen Schlumpf-Locations, z.B. das Schlumpfdorf, den Schlumpfwald oder den großen Schlumpfdamm. Auch altbekannte Charaktere wie Kraakukass und die schwarzen Schlümpfe haben ihre würdigen Auftritte.

smurfsthee002png_thumbGlücklicherweise schätzten die Entwickler Peyos Erbe. Die Figuren besitzen einen hohen Wiedererkennungswert, sind perfekt animiert und bewegen sich vor wunderschönen, glaubwürdig wirkenden und vor allem abwechslungsreichen Hintergründen. Offenkundig waren die Grafiker mit viel Herzblut am Werk; umherschwirrende Fliegen und Wasserringe auf der Seeoberfläche sind nur zwei der zahllosen Beispiele. Das Spiel ist vom grafischen Niveau her ein perfektes Ebenbild der Comicalben. Die gleiche, akribische Liebe zu jedem (noch so belanglosen) Detail, die gleiche Vernarrtheit in die putzigen Charaktere. Auch die musikalische Untermalung trägt zur gelungenen Atmosphäre bei. Die Hintergrundmusik hat man aus der Fernsehserie übernommen, was angesichts der häufigen Lizenzproblematik keine Selbstverständlichkeit ist (solche Kleinigkeiten kosten die Entwickler SEHR viel Geld!). Schade nur, dass letztendlich so wenige Stücke eingespielt wurden. Dafür sind die Soundeffekte absolut herrlich. So quaken die Frösche beispielsweise derart authentisch, dass man ernsthaft glauben könnte, man befände sich selbst an einem See. Da kommt Atmosphäre auf!

smurfsthee003png_thumbDoch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und den gibt es reichlich. Denn das Gameplay entspricht leider überhaupt nicht dem positiven, optischen bzw. akustischen Eindruck. Eigentlich ist das einzige Problem der Schwierigkeitsgrad. Dieser ist allerdings dermaßen übertrieben, dass er manchem Spieler vielleicht gar den ganzen Spielspaß ruiniert. Die Schlümpfe ist ein regelrecht unfaires Game. Es ist per se schonmal knifflig designt, das bedeutet, ein hoher Schwierigkeitsgrad war wohl von Infogrames so gewollt. Die Level sind äußerst verwirrend gestaltet; häufig ist nichtmal so genau klar wo sich denn überhaupt der Ausgang befindet. Überall sind Hindernisse, seien sie nun logisch oder unlogisch und bis man raus hat wo es lang geht, kann schon einige Zeit ins Land streichen. Plötzlich (und damit meine ich ruckartig) auftauchende Gefahren zwingen den Spieler zudem, die Level bis ins Detail auswendig zu lernen, bevor er überhaupt eine realistische Chance hat. Wenngleich das für Veteranen des Jump'n'Run-Genres nicht unbedingt eine schlechte Nachricht sein muss, sollten jüngere Spieler (und Ungeübte) hier lieber zur deutlich einfacheren Gameboy-Version greifen.

smurfsthee005png_thumbDie wahre Katastrophe aber ist die Kollisionsabfrage. Sie ist – kurz gesagt – schlampig programmiert und daher der Hauptgrund für meine eher niedrige Spielspaßwertung. Oftmals weiß man gar nicht, was da passiert. Gegner scheinen einen ohne nennenswerten Grund zu verletzen, selbst dann, wenn sie noch (quasi-) meilenweit von einem entfernt stehen! Wer nun glaubt, mit etwas Übung werde er den Gegnern schon geschickt genug ausweichen können, der wird sich fürchten wenn er merkt, wie langsam die eigene Spielfigur ist und wie flink mancher Gegner dagegen über den Bildschirm hüpft. Im Ernst, euer Schlumpf bewegt sich so langsam, dass man der Kollisionsabfrage nur mit absolut perfektem Timing ein Schnippchen schlagen kann. Selbst gestandene Mario World-Meister können sich bei diesem Spiel nicht auf ihr Geschick verlassen, auch deshalb, weil die Steuerung (insbesondere bei den Sprüngen) einfach unpräzise ist. Mit der Y-Taste könnte der Schlumpf zwar theoretisch sprinten, das ist aber nur an Stellen empfehlenswert an denen ein Fortkommen anders nicht möglich ist. Einfach in das Level hineinzusprinten ist in diesem Spiel nämlich absolut suizidal!

smurfsthee006png_thumbAbgesehen vom heftigen Schwierigkeitsgrad erwartet denjenigen, der sich durchbeißt, ein ziemlich durchschnittliches Jump'n'Run. Durch und durch solide, mit ordentlichem Umfang, einigen Gimmicks und vor allem den obligatorischen Mario-Features: Wer hundert Sarsaparilla-Blätter einsammelt, der erhält ein Extraleben. Himbeeren sind nicht nur lecker sondern stellen die Lebensenergie eures Schlumpfes wieder her und wer genügend Sternchen findet, der darf sich an so manchem Bonuslevel versuchen. Gegnern kommt ihr meistens mit einem beherzten Sprung auf den Kopf bei. Auch ein paar Bosse wollen bekämpft werden und nach jedem Sieg über einen solchen bekommt ihr eine neue Spielfigur. Der Tortenschlumpf beispielsweise bewirft eure Gegner mit Torten, der Brillenschlumpf kann finstere Höhlen mit seiner Kerze erhellen. Der Überraschungsschlumpf schließlich kann mittels explodierender Geschenke manche Hindernisse aus dem Weg räumen. Wirkliche Innovationen bietet das Spiel allerdings nicht, auch sind keine freischaltbaren Modi oder vergleichbare Extras/Secrets im Spiel enthalten. Der Wiederspielwert von Die Schlümpfe hält sich dementsprechend in Grenzen.

Fazit des Autors - Amadeus3000Eigentlich hätte dieses Spiel ein richtig guter Titel werden können. Hohe Erwartungen, geweckt durch die bildschöne Grafik, werden aber leider nicht erfüllt. Infogrames bietet uns ein typisches Jump'n'Run mit viel zu hohem Schwierigkeitsgrad. Ungeduldige bzw. ungeübte Spieler sollten einen großen Bogen um das Spiel machen, sie werden wohl kaum über die ersten vier Level hinauskommen. Insbesondere wegen der fürchterlichen Kollisionsabfrage insgesamt leider ein (bestenfalls) durschschnittliches Spiel, Schlumpffans, die ein Auge zudrücken können, dürfen sich aber gern einen Punkt zur Spielspaßwertung hinzudenken.

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 03. August 2011 um 18:00 Uhr